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Der Führerstaat – Regierung, Partei und Personenkult (1934)

Serie: Hitler, Folge 12

Während auf Gut Neudeck in Ostpreußen am 2. August 1934 der schwerkranke Reichspräsident Paul von Hindenburg stirbt, liegt in Berlin bereits das fertige Gesetz zur Neugestaltung der Macht bereit. Mit Hindenburgs Tod übernimmt Adolf Hitler die Befugnisse des Reichspräsidenten.

Die neue Stellung Hitlers

Hitler, 1936

Mit dem Gesetz über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches vereinigt Hitler die Ämter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers. Eine Volksabstimmung im August 1934 segnet diesen Schritt mit großer Mehrheit ab.

Damit verschwindet das letzte eigenständige Gegengewicht an der Spitze des Staates. Der Reichspräsident hatte zuvor als eigenständige Gewalt neben dem Parlament agiert und weitreichende Notstandsbefugnisse besessen. Diese Vorrechte liegen nun vollständig bei Hitler.

Regierung im gezielten Chaos

Die Arbeit der Regierung verändert sich spürbar. Formelle Kabinettssitzungen finden immer seltener statt; Ministerien arbeiten nebeneinander und konkurrieren häufig um dieselben Zuständigkeiten. Dieses System ständiger Rivalität ist bewusste Absicht: Indem mehrere Behörden ähnliche Aufgaben gleichzeitig bearbeiten, bleibt Hitler der einzige Schiedsrichter. Viele Entscheidungen entstehen so im direkten Umfeld des „Führers“ oder orientieren sich an seinen erwarteten Vorstellungen.

Partei und Staat im Alltag

Die NSDAP bleibt formal von den staatlichen Behörden getrennt, im Alltag greifen beide Bereiche jedoch eng ineinander. Besonders sichtbar wird dies in den Regionen: Die Gauleiter der Partei verfügen oft zugleich über staatlichen Einfluss. Persönliche Beziehungen zur Parteiführung entscheiden zunehmend über politische Handlungsspielräume – das alte Prinzip von Recht und Gesetz ist damit ausgehebelt und durch reine Loyalität ersetzt.

Der Führer als öffentliche Figur

Um dieses unübersichtliche Behördenchaos zusammenzuhalten, setzt das Regime auf radikale Inszenierung. Die Propaganda nutzt jedes Medium – vom Rundfunk bis zur Massenpresse –, um Hitler als absoluten Mittelpunkt des politischen Lebens darzustellen. Er wird als Führer inszeniert, der scheinbar über den täglichen Konflikten steht und für nationale Einheit sorgt. Schwierigkeiten im Alltag werden lokalen Behörden zugeschrieben, während Hitler selbst als unfehlbare, ordnende Kraft erscheint.

Der Eid auf Hitler

Im August 1934 legen die Soldaten der Reichswehr ihren Eid persönlich auf Hitler ab. Dieser Schritt erfolgt ohne nennenswerten Widerstand der Generäle, die nach der Ausschaltung der konkurrierenden SA-Führung im Frühsommer Hitler bereitwillig unterstützen. Auch Beamte und Funktionsträger werden auf ihn verpflichtet. Der neue Eid bindet die Männer exklusiv an die Person Adolf Hitlers; Verfassung und Amt sind faktisch ausgehebelt. Loyalität gegenüber Hitler erhält ab jetzt Vorrang vor rechtlichen oder parlamentarischen Bindungen.

Die feierliche Vereidigung der Reichswehr auf den neuen Reichspräsidenten Adolf Hitler

Herrschaft durch Nähe zur Führung

Bis Ende 1934 hat sich ein System herausgebildet, das weniger durch feste Regeln als durch persönliche Nähe zur Führung geprägt ist. Staatliche Institutionen bestehen zwar weiter, ihre tatsächliche Bedeutung hängt jedoch stark von ihrer Stellung innerhalb des nationalsozialistischen Machtgefüges ab.

Der Führerstaat verzahnt die Verwaltung eng mit dem Parteiapparat und der öffentlichen Inszenierung. Mit dieser Entwicklung ist die politische Umgestaltung der frühen Jahre weitgehend abgeschlossen. Die folgenden Maßnahmen richten sich stärker auf Gesellschaft und Alltag, wobei Wirtschaftspolitik und Arbeitsmarkt eine zentrale Rolle spielen werden.


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Bildnachweis

Titel: Beisetzung Hindenburgs im Tannenberg-Denkmal, Rede von Adolf Hitler. Bundesarchiv, Bild 183-2006-0429-502 / CC-BY-SA 3.0.

Hitler, 1936: Bundesarchiv, Bild 146-1990-048-29A / CC-BY-SA 3.0.

Reichswehr-Schwur: Bundesarchiv, Bild 102-16108A / CC-BY-SA 3.0.

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