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Maximilian I. – Der Kampf um das burgundische Erbe

Kranenburg, Brügge

Im Februar 1488 hielten die Bürger von Brügge den römisch-deutschen König Maximilian gefangen. Im Haus Kranenburg am Marktplatz musste der Habsburger um seine Freilassung verhandeln. Die wohlhabende Handelsstadt widersetzte sich seiner Regierung und den Lasten seiner Kriege.

Elf Jahre zuvor hatte Maximilian Maria von Burgund geheiratet. Diese Verbindung hatte ihm den Zugang zu einem der reichsten Herrschaftsgebiete Europas eröffnet. Nun bedrohte der Streit mit dessen Bewohnern seine Stellung.

Eine Erbin unter Druck

Am 5. Januar 1477 war Herzog Karl der Kühne vor Nancy im Kampf gefallen. Seine Tochter Maria erbte einen weit verstreuten Länderbesitz. Dazu gehörten die reichen niederländischen Gebiete mit Flandern und Brabant sowie das Herzogtum Burgund um Dijon und die weiter östlich gelegene Freigrafschaft Burgund. Die Freigrafschaft, heute als Franche-Comté bekannt, gehörte zum Heiligen Römischen Reich. Das Herzogtum war ein Lehen der französischen Krone.

König Ludwig XI. von Frankreich nutzte Karls Tod zum Angriff. Er beanspruchte das Herzogtum als heimgefallenes Lehen, das nach dem Ende der männlichen Linie an die Krone zurückfallen sollte. Seine Truppen besetzten auch die Freigrafschaft und drangen in die südlichen Niederlande vor. Ludwig wollte darüber hinaus Maria mit seinem Sohn Karl verheiraten und dadurch weiteren Einfluss auf ihr Erbe gewinnen.

Maria war zugleich auf die Unterstützung ihrer eigenen Länder angewiesen. Deren Stände, Versammlungen mit Vertretern aus Adel und Städten, verlangten die Sicherung ihrer Rechte. Am 11. Februar 1477 musste sie in Gent das Große Privileg gewähren, das weitgehende ständische Mitsprache festschrieb. Ähnliche Zugeständnisse folgten für andere Länder. Die Stände nutzten Marias Bedrängnis, um verlorene Rechte zurückzugewinnen.

Die Heirat bringt einen Verteidiger

Maria und Maximilian, um 1490

Maria hielt an der schon zu Lebzeiten ihres Vaters vereinbarten Verbindung mit Maximilian fest. Der Sohn Kaiser Friedrichs III. bot ihr ein Bündnis mit dem Haus Habsburg. Für Maximilian eröffnete die Ehe die Aussicht auf eine bedeutende Stellung im Westen Europas.

Am 19. August 1477 heirateten die zwanzigjährige Maria und der achtzehnjährige Maximilian in Gent. An der Seite der erblichen Landesherrin übernahm Maximilian die militärische Verteidigung gegen Frankreich. 1478 wurde ihr Sohn Philipp geboren, 1480 ihre Tochter Margarete.

1479 besiegte Maximilians Heer die Franzosen bei Guinegate im heutigen Nordfrankreich. Der Erfolg stärkte seine Stellung, doch Frankreich hielt weiterhin große Teile des beanspruchten Erbes besetzt. Der Krieg verlangte immer neues Geld. Maximilians Abgabenforderungen belasteten die niederländischen Länder. Zugleich verteidigten die Städte ihre Freiheiten gegen seinen Anspruch, mehr Entscheidungen an sich zu ziehen.

Marias Tod verändert die Herrschaft

Am 27. März 1482 starb Maria in Brügge an den Folgen eines Reitunfalls. Sie war fünfundzwanzig Jahre alt. Ihr noch kleiner Sohn Philipp wurde zum Erben. Maximilian beanspruchte als Vater die Vormundschaft und damit die Regierung für ihn.

Vor allem die flämischen Stände wollten diese Regierung selbst kontrollieren. Sie nahmen Philipp in ihre Obhut und setzten einen Regentschaftsrat ein. Mit Maria war die Herrscherin gestorben, deren angestammtes Erbrecht sie anerkannt hatten. Maximilian musste seine Stellung nun gegenüber denjenigen behaupten, die in seinem Sohn ihren rechtmäßigen Landesherrn sahen.

Die Stände suchten einen Ausgleich mit Frankreich. Im Frieden von Arras vom Dezember 1482 wurde die noch nicht dreijährige Margarete dem französischen Thronfolger Karl als Braut versprochen. Artois und die Freigrafschaft Burgund sollten ihre Mitgift bilden. Das Mädchen wurde im folgenden Jahr nach Frankreich gebracht und dort erzogen. Frankreich behielt auch das Herzogtum Burgund. Maximilian musste erhebliche Gebietsverluste hinnehmen.

Der Streit führt nach Brügge

Maximilian kämpfte um die Regierung für seinen Sohn und um die Rückgewinnung der verlorenen Gebiete. 1485 zwang er Gent zur Unterwerfung und erreichte die Herausgabe Philipps. Im folgenden Jahr wählten ihn die Kurfürsten zum römisch-deutschen König. Die neue Würde verschaffte ihm zusätzliches Gewicht im Reich.

In Flandern verschärften die Kriegssteuern und Eingriffe in städtische Rechte den Widerstand. Ende 1487 erhob sich Gent erneut; Anfang 1488 schloss sich Brügge an. Dort setzten die Bürger den König fest.

Friedrich III. stellte ein Reichsheer auf und zog seinem Sohn zu Hilfe. Während das Heer noch heranrückte, kam Maximilian im Mai frei, musste dafür aber weitreichende Zugeständnisse machen und die Regierung über Flandern abgeben. Nach seiner Freilassung erklärte ein Fürstengericht seinen in der Gefangenschaft erzwungenen Eid für ungültig. Mit Rückendeckung seines Vaters setzte er den Kampf gegen die aufständischen Städte fort. Herzog Albrecht von Sachsen führte als sein Statthalter den Krieg weiter; bis 1492 wurde der Widerstand militärisch gebrochen.

Der Frieden teilt das Erbe

Auch die geplante Ehe zwischen Margarete und dem französischen Thronfolger scheiterte. Karl, inzwischen als Karl VIII. König von Frankreich, heiratete 1491 Anne von der Bretagne. Sie war selbst Herzogin und bereits durch eine Stellvertretertrauung mit Maximilian verbunden. Ihre Ehe mit Maximilian wurde unter französischem Druck aufgehoben.

Innsbrucker Hofburg, nach dem Umbau durch Maximilian, Albrecht Dürer, 1494

Die Rückgabe von Margaretes Mitgift blieb umstritten. Weitere Kämpfe und Verhandlungen führten am 23. Mai 1493 zum Frieden von Senlis. Die Freigrafschaft Burgund und Artois wurden den Habsburgern zugesprochen; das Herzogtum Burgund mit Dijon blieb bei Frankreich. Margarete kehrte in die Niederlande zurück.

1494 übernahm Philipp dort selbst die Regierung. Die Habsburger hatten neben ihren österreichischen Ländern einen zweiten großen Herrschaftsbereich im Westen gewonnen. Die niederländischen Gebiete behielten ihre eigenen Einrichtungen und wurden unter Philipp gesondert regiert. Zugleich standen die Habsburger nun unmittelbar dem französischen König gegenüber, der einen Teil von Marias Erbe behalten hatte. Um die Grenzen und Ansprüche dieses geteilten Erbes wurde auch in den folgenden Generationen gekämpft.


Zum Weiterlesen

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Heimann, H.-D. (2025): Die Habsburger. Dynastie und Kaiserreiche.*

Rady, M. (2021): Die Habsburger. Aufstieg und Fall einer Weltmacht.*

Bildnachweis

Titel: Reiterharnisch Kaiser Maximilians. Wikimedia Commons, Galerie des armes et armures, Metropolitan Museum of Art, New York. CC BY-SA 2.5.

Kranenburg: Wikimedia Commons, Tania Dey. CC BY-SA 3.0.

Alle weiteren Bilder gemeinfrei.

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