
Alarich II. fiel im Kampf. Im Jahr 507 hatte der Westgotenkönig versucht, Chlodwigs Heer bei Vouillé, in der Nähe von Poitiers, aufzuhalten. Der fränkische Sieg öffnete den Weg in große Teile des südwestlichen Gallien. Für Alarichs Familie begann dagegen der Kampf darum, wenigstens einen Teil ihrer bisherigen Herrschaft zu bewahren.
Gregor von Tours lässt Chlodwig den Gegner eigenhändig töten. Er schildert auch, wie der Frankenkönig unmittelbar danach nur knapp einem Angriff entkommt. Diese Einzelheiten stammen aus einer späteren Erzählung. Gesichert ist der schwere Ausgang für die Westgoten: Ihr König starb, und das Zentrum ihrer Macht in Gallien ging verloren.
Ein großer Nachbar im Süden
Alarich herrschte über ein Reich, das Gebiete auf beiden Seiten der Pyrenäen umfasste. Toulouse gehörte zu seinen wichtigsten Zentren. Unter den Bewohnern befanden sich zahlreiche römisch geprägte Christen. Der König und die gotische Führung bekannten sich dagegen zu jener Form des Christentums, die ihre katholischen Gegner als arianisch bezeichneten.
Alarich war auf römische Untertanen und katholische Bischöfe angewiesen, wenn er in den Städten regieren wollte. Chlodwig konnte nach seiner Taufe dieselben Bischöfe als Glaubensgenossen ansprechen. Welche Seite eine örtliche Führungsgruppe unterstützte, entschied sich dennoch auch an ihren Bindungen zum bisherigen Hof. Der Vormarsch der Franken bedrohte die Männer, deren Stellung auf Alarichs Schutz beruhte.
Gregor schrieb als katholischer Bischof und blickte auf Chlodwig mit besonderer Zustimmung. Er legt ihm die Absicht in den Mund, die Herrschaft der Arianer in Gallien zu beenden. Diese Rede erschließt Gregors Deutung des Feldzugs. Ein wörtliches Protokoll einer fränkischen Kriegsberatung ist sie nicht.
Der Weg nach Aquitanien
Chlodwig führte sein Heer über die Loire nach Süden. Gregor verbindet den Zug mit dem Schutz des heiligen Martin von Tours. Der König habe untersagt, dessen Gebiet auszuplündern. Solche Nachrichten zeigen, wie der Bischof den erfolgreichen Feldherrn als Beschützer eines bedeutenden Heiligtums darstellte.
Für die Bewohner der angegriffenen Landschaften blieb der Vormarsch ein Krieg. Heere mussten versorgt werden, Städte konnten angegriffen werden, und mit dem Herrscherwechsel standen bestehende Bindungen zur Disposition. Die Vorstellung einer überall freudig begrüßten katholischen Befreiung würde diese unterschiedlichen Interessen verdecken. Gregor selbst berichtet, dass römische Bewohner der Auvergne auf westgotischer Seite kämpften.
Die römischen Großen der Auvergne traten damit für den westgotischen König ein, unter dessen Herrschaft sie lebten. Für Chlodwig bedeutete der Sieg, dass er neben den militärischen Gegnern auch deren bisherige Städte und Anhänger gewinnen musste.
Der Tod des Königs
Bei Vouillé fiel die militärische Entscheidung zugunsten der Franken. Der Tod Alarichs verschärfte die Wirkung der Niederlage, weil die Westgoten zugleich die Nachfolge regeln mussten. Sein Sohn Amalarich war noch ein Kind. Rivalisierende Ansprüche und die fränkischen Angriffe trafen damit zusammen.
Chlodwigs Männer drangen in Aquitanien vor und nahmen auch Toulouse ein. Der König gelangte an die Schätze des besiegten Herrschers. Solcher Besitz war unmittelbar verwendbar: Er konnte den eigenen Hof versorgen und erlaubte es, Gefolgsleute zu belohnen. Die Übernahme eines königlichen Zentrums erschloss daher mehr als nur eine weitere Stadt auf der Karte.
Der Sieg brachte Chlodwig jedoch nicht sämtliche bisherigen westgotischen Gebiete. Im Südosten griff Theoderich, der ostgotische König in Italien, ein. Er war zugleich Amalarichs Großvater und hatte ein eigenes Interesse daran, die Machtverschiebung an seiner Grenze zu begrenzen. Ostgotische Truppen sicherten einen Teil des bedrohten Raums.
Römische Ehren für den Sieger

Nach den Kämpfen empfing Chlodwig in Tours Ehrenzeichen aus Konstantinopel. Gregor verbindet sie mit dem oströmischen Kaiser Anastasius und beschreibt einen öffentlichen Auftritt des Frankenkönigs. Wie genau dessen dabei genannter Rang staatsrechtlich zu verstehen ist, bleibt umstritten. Die Verwendung römischer Würdezeichen durch Chlodwig ist für Gregors Darstellung dagegen wesentlich.
Der Sieger über Alarich konnte somit gleichzeitig als fränkischer König und als ein von der römischen Kaisergewalt geehrter Herrscher auftreten. Die Eroberung römisch geprägter Landschaften und der Anschluss an römische Formen schlossen sich nicht aus. Für die katholischen Bischöfe kam hinzu, dass sie es nun mit einem Herrscher ihres eigenen Bekenntnisses zu tun hatten.
Amalarichs Herrschaft überdauerte den Tod seines Vaters unter ostgotischem Schutz. Die Westgoten behaupteten sich auf der Iberischen Halbinsel und in einem Streifen des südlichen Gallien. Chlodwigs Sieg hatte ihr Reich stark verändert; Theoderichs Eingreifen setzte der fränkischen Ausdehnung eine Grenze.
Zum Weiterlesen
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Jussen, B. (2024): Die Franken. Geschichte, Gesellschaft, Kultur.*
Rudolf Schieffer (2024): Die Karolinger.*
Karl Ubl (2024): Die Karolinger: Herrscher und Reich.*
Scholz, S. (2015): Die Merowinger.*
Bildnachweis
Titelbild. Wikimedia Commons, G.Garitan. CC BY-SA 4.0.
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