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Jackie Robinson betritt das Spielfeld – Das Ende der „Color Line“ im Baseball

Am 15. April 1947 lief Jackie Robinson im Trikot der Brooklyn Dodgers auf das Spielfeld von Ebbets Field. Mehr als 26.000 Zuschauer sahen das Spiel gegen die Boston Braves. Robinson blieb ohne eigenen Treffer, erreichte im siebten Inning aber eine Base und erzielte kurz darauf einen Punkt. Brooklyn gewann mit 5:3.

Seine sportliche Leistung an diesem Nachmittag blieb unspektakulär. Seine Anwesenheit durchbrach jedoch eine jahrzehntealte Grenze. Seit dem späten 19. Jahrhundert hatte kein schwarzer Spieler mehr in der höchsten amerikanischen Baseballliga gespielt. Nun stand Robinson an der ersten Base einer Mannschaft, deren Spiele Zeitungen im ganzen Land verfolgten.

Eine Grenze ohne Gesetz

Die sogenannte Color Line beruhte auf einer ungeschriebenen Vereinbarung der Vereinsbesitzer: Sie verpflichteten keine schwarzen Spieler. Wer die Trennung infrage stellte, musste mit dem Widerstand anderer Vereine und zahlreicher weißer Zuschauer rechnen.

Schwarze Baseballspieler traten deshalb in eigenen Ligen an. Deren Mannschaften füllten Stadien und brachten herausragende Sportler hervor, boten aber geringere Einnahmen und wenig wirtschaftliche Sicherheit. Viele Spieler reisten unter schwierigen Bedingungen, weil Hotels und Gaststätten sie abwiesen.

Diese Trennung prägte auch den amerikanischen Alltag außerhalb der Stadien. Schwarze Soldaten dienten im Zweiten Weltkrieg in getrennten Einheiten. Nach ihrer Heimkehr verweigerten ihnen Hochschulen oder Banken Leistungen, die weißen Veteranen offenstanden. Der Baseball machte diese Ordnung jeden Sommer öffentlich sichtbar.

Getrennte Eingänge für Schwarze und Weiße, Durham (North Carolina), 1940

Der Leutnant im Armeebus

Jack Roosevelt Robinson war 1919 in Georgia geboren worden und in Kalifornien aufgewachsen. An der University of California in Los Angeles machte er sich in mehreren Sportarten einen Namen. 1942 wurde er zum Militär eingezogen und später zum Offizier ausgebildet.

Im Juli 1944 stieg Robinson auf dem Gelände von Camp Hood in Texas in einen Armeebus. Der Fahrer forderte ihn auf, sich weiter nach hinten zu setzen. Robinson weigerte sich. Zwar waren die Einheiten der Armee weiterhin nach Hautfarbe getrennt, doch ihre Vorschriften untersagten inzwischen die Sitztrennung in Bussen auf Militärgelände.

Aus dem Streit entstand ein Militärverfahren. Robinson musste sich unter anderem wegen Ungehorsams verantworten. Das Gericht sprach ihn frei. Wenige Monate später verließ er die Armee ehrenhaft.

Der Vorfall zeigte eine Eigenschaft, die bald entscheidend werden sollte. Robinson bestand auf seinen Rechten und ließ sich durch Autoritäten nicht leicht einschüchtern. Im professionellen Baseball würde er zunächst dennoch zahlreiche Angriffe hinnehmen müssen, ohne darauf mit Gewalt zu reagieren.

Branch Rickeys Suche

Nach seiner Militärzeit spielte Robinson 1945 für die Kansas City Monarchs in der Negro American League. Zur gleichen Zeit suchte Branch Rickey, der Geschäftsführer der Brooklyn Dodgers, nach einem schwarzen Spieler für sein Team.

Rickey handelte aus mehreren Motiven. Er hielt die Rassentrennung für ungerecht, erkannte aber auch den sportlichen und wirtschaftlichen Vorteil. In den schwarzen Ligen spielten Männer, die seine Mannschaft verstärken konnten. Brooklyn besaß zudem viele schwarze Einwohner, die als Zuschauer gewonnen werden konnten.

Für seinen Plan brauchte Rickey einen hervorragenden Spieler, der dem öffentlichen Druck standhielt. Ebenso wichtig war dessen Verhalten außerhalb des Spielfelds. Gegner würden versuchen, die Öffnung der Liga durch einen provozierten Skandal zu Fall zu bringen.

Robinson war bereits sechsundzwanzig Jahre alt und damit älter als viele Nachwuchsspieler. Einige Beobachter hielten andere schwarze Baseballer für noch talentierter. Rickey entschied sich dennoch für ihn. Robinson besaß sportliche Klasse und Collegebildung. Hinzu kam seine militärische Erfahrung. Er verstand, welche Bedeutung das Vorhaben über den Baseball hinaus hatte.

Rickey verlangte von ihm, rassistische Beschimpfungen zunächst nicht mit Schlägen zu beantworten. Robinson sollte sich beherrschen, obwohl gerade diese Forderung ihm einen Teil jener Gegenwehr untersagte, mit der er sich sonst verteidigte.

Die Probe in Montreal

Jackie Robinson bei den Montreal Royals

Die Dodgers schickten Robinson zunächst zu ihrem Nachwuchsteam, den Montreal Royals. Während des Trainings im Frühjahr 1946 versuchten örtliche Behörden im Süden der USA, Spiele mit Robinsons Beteiligung zu verhindern. Manche Begegnungen mussten verlegt werden.

In der International League setzte er sich sportlich durch. Robinson erreichte in der Saison 1946 einen Schlagdurchschnitt von .349, also knapp 35 Treffer je 100 gewerteten Schlagversuchen, und führte die Royals zur Meisterschaft. Die Zuschauer in Montreal feierten ihn. Damit verlor das Argument an Kraft, ein schwarzer Spieler könne weder mithalten noch ein Publikum gewinnen.

Vor der Saison 1947 berief Brooklyn ihn in die erste Mannschaft. Einige Spieler der Dodgers wollten eine Petition gegen ihren neuen Mitspieler unterzeichnen. Die Vereinsführung stellte jedoch klar, dass Robinson bleiben werde. Innenfeldspieler Pee Wee Reese weigerte sich, die Petition zu unterschreiben.

Robinson wusste dennoch, dass jeder Fehler anders beurteilt werden würde als der eines weißen Neulings. Er spielte um seinen Platz und zugleich um die Chancen derjenigen, die nach ihm kommen sollten.

Beschimpfungen von der Bank

Besonders offen zeigte sich der Widerstand bei Spielen gegen die Philadelphia Phillies. Deren Manager Ben Chapman beschimpfte Robinson gemeinsam mit Spielern von der Bank aus. Die Angriffe zielten darauf, ihn zu einer Reaktion zu reizen.

Die öffentliche Wirkung kehrte sich jedoch gegen Chapman. Zeitungen berichteten über die Beleidigungen, während Robinson weiterspielte. Die Leitung der Phillies drängte ihren Manager schließlich zu einer versöhnlichen Geste. Chapman ließ sich mit Robinson fotografieren. Das Bild sollte den Konflikt beruhigen, konnte die vorausgegangenen Angriffe aber nicht ungeschehen machen.

Auch Zuschauer schickten Drohbriefe. Gegner gingen mit harten Aktionen gegen Robinson vor. Einige Mitspieler hielten zunächst Abstand. Im Verlauf der Saison wurde er jedoch immer stärker über seine Leistung wahrgenommen.

Robinson beendete sein erstes Jahr mit einem Schlagdurchschnitt von .297 und wurde zum besten Neuling der Liga gewählt. Die Dodgers erreichten die World Series, unterlagen dort aber den New York Yankees.

Eine langsame Öffnung

Robinsons Erfolg beendete die Trennung im professionellen Baseball nicht mit einem Schlag. Im Juli 1947 verpflichteten die Cleveland Indians mit Larry Doby den ersten schwarzen Spieler der American League. Andere Vereine folgten zögernd. Die Boston Red Sox nahmen erst 1959 einen schwarzen Spieler in ihre Mannschaft auf.

Auch Robinson musste weiter gegen Benachteiligung kämpfen. Zugleich entwickelte er sich zu einem der besten Spieler seiner Zeit. 1949 erhielt er die Auszeichnung als wertvollster Spieler der National League.

Seine Bedeutung reichte inzwischen über das Stadion hinaus. Schwarze Amerikaner sahen, wie ein Mann die Trennung in einer der sichtbarsten Einrichtungen des Landes durchbrach. Weiße Zuschauer erlebten Woche für Woche, dass die Behauptungen über die angebliche sportliche Unterlegenheit schwarzer Spieler nicht haltbar waren.

Der Baseball löste damit weder die Rassentrennung in den Schulen noch die Gewalt im Süden. Doch Robinsons Einsatz veränderte einen öffentlichen Raum, den Millionen Amerikaner gemeinsam beobachteten. Am 15. April 1947 hatte er in Ebbets Field keinen Treffer erzielt. Trotzdem war nach diesem Spiel eine Grenze gefallen.


Zum Weiterlesen

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Rampersad, A. (1997): Jackie Robinson. A Biography. Umfangreiche Biografie, die Robinsons sportliche Laufbahn mit seinem politischen Engagement verbindet.

Cohen, L. (2003): A Consumers’ Republic. The Politics of Mass Consumption in Postwar America.* Gesellschaftsgeschichte des amerikanischen Nachkriegswohlstands mit einer differenzierten Einordnung des GI Bill.

Patterson, J. T. (1996): Grand Expectations. The United States, 1945–1974.* Umfassende Darstellung der amerikanischen Nachkriegsgeschichte und ihrer gesellschaftlichen Veränderungen.

Bildnachweis

Titel: Jackie Robinson bei den Dodgers, 1947. Harry Warnecke – National Portrait Gallery, Smithsonian Institution. Gemeinfrei.

Jackie Robinson bei den Montreal Royals: Wikimedia Commons, Coastal Elite. CC BY-SA 2.0.

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