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Rosie soll Platz machen – Frauenarbeit nach dem Krieg

Im April 1942 stellte die Kaiser-Werft Oregon Shipbuilding in Portland erstmals Frauen als Schweißerinnen ein. Zu den ersten gehörte Mary Carroll. Sie arbeitete nun in einem Beruf, den die Werft zuvor Männern vorbehalten hatte. Bald folgten weitere Frauen. Sie lernten, Schiffsteile zusammenzuschweißen, und übernahmen Verantwortung in der Produktion.

Drei Jahre später endete der Krieg. Die Werften brauchten weniger Arbeitskräfte. Bei den Kaiser-Werften in Portland und Vancouver verloren Frauen ihre Stellen häufiger als Männer. Ihre Arbeit hatte geholfen, den Krieg zu gewinnen. Einen dauerhaften Platz im Schiffbau sicherte ihnen das jedoch kaum.

Viele wollten bleiben

Die amerikanische Regierung hatte Frauen während des Krieges gezielt für Industriearbeit angeworben. „Rosie the Riveter“, die Nieterin Rosie, wurde zur Symbolfigur dieser Kampagnen. Frauen sollten Arbeitsplätze übernehmen, während Männer beim Militär dienten.

Für viele bedeutete das einen besseren Lohn. Manche hatten zuvor als Hausangestellte gearbeitet und konnten nun mehr Geld für ihre Familien verdienen. Andere kehrten nach einer Familienpause ins Berufsleben zurück. Millionen Frauen waren allerdings schon vor dem Krieg berufstätig gewesen.

Was sollte nach dem Sieg geschehen? Das Women’s Bureau, die für Frauenarbeit zuständige Stelle im amerikanischen Arbeitsministerium, ließ 1944 und Anfang 1945 mehr als 13.000 berufstätige Frauen in zehn Zentren der Kriegsproduktion befragen. Die Gespräche fanden in ihren Wohnungen statt.

Rund drei Viertel der Befragten wollten auch nach dem Krieg arbeiten. Viele benötigten ihren Verdienst, um sich selbst oder Angehörige zu versorgen.

Wem gehörte der Arbeitsplatz?

Mit dem Kriegsende brachen Rüstungsaufträge weg. Ganze Produktionsanlagen wurden stillgelegt oder auf zivile Waren umgestellt. Auch Männer verloren dabei ihre Beschäftigung.

Für Frauen kam eine weitere Hürde hinzu: Zahlreiche Arbeitgeber betrachteten ihre Tätigkeit weiterhin als vorübergehende Kriegshilfe. Bereits die Werbung während des Krieges hatte häufig vermittelt, dass Frauen nach dem Sieg wieder ihren Platz im Haushalt einnehmen sollten. Sobald genügend Männer verfügbar waren, ordneten Unternehmen Arbeitsplätze erneut nach Geschlecht zu.

Heimkehrer, die eine Stelle für den Militärdienst verlassen hatten, besaßen unter bestimmten Voraussetzungen einen gesetzlichen Anspruch auf Wiedereinstellung bei ihrem früheren Arbeitgeber. Bei Entlassungen konnte auch die Dauer der Betriebszugehörigkeit entscheiden. Frauen, die erst während des Krieges eingestellt worden waren, standen dadurch häufig weiter hinten.

Doch diese Regeln erklärten die Verdrängung nur teilweise. Manche Unternehmen beschränkten erneut die Einstellung verheirateter oder älterer Frauen. Gewerkschaften verteidigten die Ansprüche ihrer weiblichen Mitglieder dabei keineswegs überall konsequent.

Für afroamerikanische Arbeiterinnen waren die Möglichkeiten besonders eng. Schon während des Krieges hatten viele Betriebe ihnen den Zugang zu qualifizierten Tätigkeiten erschwert. In der Werft von Vancouver wurden Schwarze Frauen häufig für Reinigungsarbeiten eingesetzt, die schlechter bezahlt waren als das Schweißen. Nach 1945 mussten viele nach dem Verlust ihres Industriearbeitsplatzes wieder Stellen als Hausangestellte annehmen.

Frauen beim Schweißen, 1943

Wer betreute die Kinder?

Während des Krieges hatte der Bund außerdem Geld für Kinderbetreuung bereitgestellt. An Standorten der Rüstungsindustrie entstanden Einrichtungen, in denen Mütter ihre Kinder während der Schicht betreuen lassen konnten.

Diese Unterstützung erleichterte den Arbeitsalltag erheblich. Wer weit entfernt von Verwandten lebte, musste sonst eine private Betreuung organisieren oder konnte eine Stelle kaum annehmen.

Nach dem Krieg stritten Frauen für den Erhalt der Einrichtungen. In New York demonstrierten Mütter gemeinsam mit ihren Kindern. Ihre Forderung war einfach: Auch im Frieden mussten die Kinder sicher betreut werden, während ihre Mütter arbeiteten.

Die Bundesförderung nach dem Lanham Act lief Ende Februar 1946 aus. Manche Orte führten Angebote weiter. Vielerorts wurde Betreuung jedoch knapper und teurer. Für eine Mutter konnte damit selbst ein vorhandener Arbeitsplatz unerreichbar werden.

Weiterarbeiten zu anderen Bedingungen

Ein Teil der Frauen verließ das Berufsleben aus eigenem Entschluss. Viele andere blieben berufstätig, mussten jedoch für weniger Geld arbeiten. Büroarbeit und der Einzelhandel boten Beschäftigung, häufig zu ungünstigeren Bedingungen als die gut bezahlte Kriegsindustrie.

Der Verlust eines Industriearbeitsplatzes konnte außerdem die beruflichen Möglichkeiten dauerhaft einschränken. Viele Familien blieben jedoch auf ein zweites Einkommen angewiesen. Das wachsende Angebot solcher Stellen trug dazu bei, dass die Erwerbsbeteiligung verheirateter Frauen in den folgenden Jahren wieder zunahm.

1950 gehörte knapp jede vierte verheiratete Frau, die mit ihrem Mann zusammenlebte, zum Arbeitsmarkt: Sie war erwerbstätig oder suchte eine Stelle. In vielen amerikanischen Haushalten ging inzwischen morgens auch die Ehefrau zur Arbeit.


Zum Weiterlesen

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Cohen, L. (2003): A Consumers’ Republic. The Politics of Mass Consumption in Postwar America.* Gesellschaftsgeschichte des amerikanischen Nachkriegswohlstands mit einer differenzierten Einordnung des GI Bill.

Patterson, J. T. (1996): Grand Expectations. The United States, 1945–1974.* Umfassende Darstellung der amerikanischen Nachkriegsgeschichte und ihrer gesellschaftlichen Veränderungen.

Bildnachweis

Titel: Eine echte „Rosie the Riveter“ arbeitet an einem Sturzkampfbomber vom Typ A-31 Vengeance in Vultee-Nashville, 1943.

Alle Bilder gemeinfrei.

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