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Céspedes und der Zehnjährige Krieg

Am 10. Oktober 1868 ließ Carlos Manuel de Céspedes auf seinem Zuckergut La Demajagua bei Manzanillo die Glocke läuten. Die Menschen, die er dort versklavt hielt, versammelten sich. Er erklärte sie für frei und rief sie dazu auf, gemeinsam mit ihm für die Unabhängigkeit Kubas zu kämpfen.

Der Anwalt und Plantagenbesitzer gehörte zu einer Gruppe von Männern, die einen Aufstand gegen Spanien vorbereitet hatten. Nun hatte die Kolonialverwaltung von den Plänen erfahren; eine Verhaftung drohte. Céspedes entschloss sich, loszuschlagen. Aus dem Aufbruch auf seiner Plantage wurde ein Krieg, der bis 1878 dauerte.

Der Aufstand im Osten

Kuba stand weiterhin unter spanischer Herrschaft, während die meisten ehemaligen Kolonien auf dem amerikanischen Festland längst unabhängig waren. Auf der Insel entschied ein von Madrid eingesetzter Gouverneur über wesentliche politische Fragen. Forderungen nach mehr Mitsprache waren weitgehend erfolglos geblieben. Steuern und Handelsabgaben verstärkten die Unzufriedenheit.

Carlos Manuel de Céspedes, 1874

Besonders im Osten fanden die Aufstandspläne Unterstützung. Dort waren viele Eigentümer wirtschaftlich schlechter gestellt als die großen Zuckerpflanzer im Westen. Diese verdienten an einem Geschäft, das von versklavten Arbeitskräften abhing. Viele fürchteten, ein Krieg gegen Spanien werde auch ihre Plantagen und die Sklaverei gefährden.

Von La Demajagua aus zogen Céspedes und seine Männer zum nahe gelegenen Ort Yara. Ihr Angriff scheiterte am 11. Oktober. Trotzdem schlossen sich weitere Kämpfer an. Noch im selben Monat nahmen die Aufständischen Bayamo ein. Die Stadt wurde zu einem frühen Zentrum der Unabhängigkeitsbewegung.

Doch sie konnten Bayamo nur wenige Monate halten. Im Januar 1869 rückten spanische Truppen heran. Angesichts der drohenden Rückeroberung setzten Aufständische und Bewohner am 12. Januar große Teile der Stadt in Brand. Viele Familien flohen aufs Land. Wer sein Haus verloren hatte, musste nun in einer Gegend überleben, durch die beide Heere zogen.

Eine Republik während des Krieges

Der Aufstand breitete sich nach Camagüey und Las Villas aus. Dabei entstanden unterschiedliche Führungsgruppen. Céspedes beanspruchte weitreichende Vollmachten, um den Krieg zu führen. Andere wollten verhindern, dass die neue Regierung von einem einzelnen Mann beherrscht wurde.

Im April 1869 trafen sich Vertreter der Aufstandsgebiete in Guáimaro. Sie beschlossen eine Verfassung für die „Republik Kuba in Waffen“ und wählten Céspedes zum Präsidenten. Eine Abgeordnetenkammer erhielt das Recht, den Präsidenten und den obersten Heerführer zu bestimmen und abzusetzen.

Diese Republik musste unter ständiger militärischer Bedrohung arbeiten. Ihre Behörden konnten nur dort handeln, wo sich die Aufständischen behaupteten. Zugleich blieb umstritten, wie viel Entscheidungsfreiheit die Heerführer brauchten und wie stark die Abgeordneten ihre Kriegführung kontrollieren sollten.

Die Verfassung erklärte alle Bewohner der Republik für frei. Damit ging sie über die Freilassung einzelner Gruppen hinaus. Die Umsetzung blieb jedoch widersprüchlich. Befreite Menschen wurden zum Militärdienst oder zur Arbeit für die Aufständischen verpflichtet. Manche ehemaligen Eigentümer versuchten, weiterhin über sie zu verfügen.

Für die Versklavten selbst bot der Krieg die Möglichkeit, den Plantagen zu entkommen. Tausende schlossen sich den Rebellen an. Ihre Beteiligung verstärkte den Druck, die versprochene Freiheit tatsächlich durchzusetzen.

Kämpfen und überleben

Die Unabhängigkeitskämpfer, häufig Mambises genannt, führten überwiegend einen beweglichen Krieg. Sie griffen kleinere Stellungen und Versorgungstransporte an und zogen sich zurück, bevor überlegene spanische Verbände sie stellen konnten. Erbeutete Waffen waren besonders wichtig, weil Nachschub aus dem Ausland unregelmäßig eintraf.

Zu ihren erfahrenen Befehlshabern gehörte Máximo Gómez, ein ehemaliger Offizier aus der Dominikanischen Republik. Er wollte den Krieg bis in die reichen Zuckergebiete des Westens tragen. Dort lag ein großer Teil der Einnahmen, auf die Spanien und die Plantagenbesitzer angewiesen waren. Aufständische zerstörten deshalb auch Zuckerrohrfelder und Mühlen.

Die spanische Kriegführung traf ebenfalls die Zivilbevölkerung. Truppen verbrannten Häuser und zwangen Landbewohner, ihre Wohnorte zu verlassen. Eine Anordnung vom April 1869 drohte Männern ab fünfzehn Jahren mit Erschießung, wenn sie außerhalb ihres Anwesens angetroffen wurden und dafür keinen anerkannten Grund nachweisen konnten. Familien gerieten unter Verdacht, weil Angehörige bei den Rebellen kämpften.

Mit jedem weiteren Kriegsjahr wurde die Versorgung schwieriger. Die Zerstörung von Feldern und Viehbeständen entzog auch den Menschen die Nahrung, deren Unterstützung beide Seiten gewinnen wollten.

Die Grenzen des gemeinsamen Kampfes

Aufständische im Dschungel, 1872

Unterdessen verschärften sich die Konflikte im Rebellenlager. Präsident und Abgeordnetenkammer stritten um Zuständigkeiten. Regionale Befehlshaber widersetzten sich übergeordneten Entscheidungen. Im Oktober 1873 setzte die Kammer Céspedes ab. Er zog sich zurück und wurde im Februar 1874 von spanischen Soldaten getötet.

Gómez führte 1875 einen Vorstoß nach Las Villas. Sein Versuch, den Krieg dauerhaft auf die westlichen Zuckergebiete auszuweiten, scheiterte jedoch. Waffenmangel und Streit über die Führung schwächten den Feldzug.

Auch rassistische Vorbehalte belasteten die Zusammenarbeit. Schwarze Kämpfer hatten wichtige Aufgaben übernommen und waren zu Offizieren aufgestiegen. Manche weißen Anführer begegneten ihrer wachsenden Bedeutung mit Misstrauen. Der gemeinsame Kampf hatte neue Möglichkeiten eröffnet, während ältere Vorstellungen darüber fortbestanden, wer führen durfte.

Der Frieden von Zanjón

Der spanische General Arsenio Martínez Campos verband militärischen Druck mit Verhandlungen. Nach Jahren der Entbehrung waren viele Aufständische bereit, den Krieg zu beenden.

Am 10. Februar 1878 nahm eine Vertretung der Rebellen den Pakt von Zanjón an. Spanien versprach politische und administrative Reformen sowie eine Amnestie. Versklavte Menschen in den Reihen der Aufständischen sollten ihre Freiheit behalten. Kuba blieb jedoch spanische Kolonie, und die Sklaverei bestand auf der Insel weiter.

Der General Antonio Maceo lehnte diese Bedingungen ab. Er stammte aus einer freien Familie afrikanischer Abstammung und war während des Krieges zu einem bedeutenden Befehlshaber geworden. Bei einer Begegnung mit Martínez Campos in Baraguá am 15. März verlangte er Unabhängigkeit und die vollständige Abschaffung der Sklaverei.

Maceo setzte den Widerstand zunächst fort. Doch auch seine Verbände konnten den Krieg unter den bestehenden Bedingungen nicht weiterführen. Wenige Monate später endeten die Kämpfe weitgehend.

Die Freilassung auf La Demajagua hatte einen Krieg eröffnet, in dem Tausende ihre persönliche Freiheit erkämpften. Für viele andere blieb das Leben auf den Plantagen bestehen. Genau diese Grenze des Friedens hatte Maceo in Baraguá zurückgewiesen.


Zum Weiterlesen

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Ferrer, A. (2022): Cuba: An American History.* Darstellung der Eroberung im Zusammenhang mit der frühen Geschichte der Karibik.

Bethell, L. (Hg.) (2009): Cuba: A Short History.* Der Beitrag von Hugh Thomas behandelt die Besatzung und die Entwicklung der kubanischen Zuckerwirtschaft.

Bildnachweis

Titel: Freiwillige Kämpfer aus Havanna, 1870.

Alle Bilder gemeinfrei.

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