Startseite » Wasser für Tenochtitlan – Leitungen und Dämme im Seebecken

Wasser für Tenochtitlan – Leitungen und Dämme im Seebecken

Von Chapultepec am westlichen Ufer gelangte Quellwasser nach Tenochtitlan. Die Stadt lag mitten im Wasser und benötigte dennoch eine Zufuhr vom Festland. Der See bestand aus miteinander verbundenen Bereichen unterschiedlicher Wasserqualität; sein Wasser eignete sich nicht überall zum Trinken oder zur Bewässerung.

Moctezuma II. in Chapultepec im Codex Durán
Moctezuma II. in Chapultepec, dargestellt im kolonialzeitlichen Codex Durán (16. Jahrhundert). Chapultepec war Ausgangspunkt der Trinkwasserleitung.

Die Quelle liegt außerhalb der Stadt

Eine frühe Leitung aus Chapultepec war 1449 bei einer Überschwemmung zusammengebrochen. In der Regierungszeit Axayacatls, der von 1469 bis 1481 herrschte, entstand nach einer Überlieferung eine höher geführte Anlage mit zwei Rinnen. Während durch eine Wasser floss, ließ sich die andere reinigen oder ausbessern. Die Bauweise begegnete damit einer regelmäßigen Betriebsaufgabe: Wartung sollte die Zufuhr nicht jedes Mal vollständig unterbrechen.

Die Bewohner mussten das ankommende Wasser anschließend zu den Orten bringen, an denen es gebraucht wurde. Eine Leitung bedeutete daher noch keinen Wasseranschluss für jeden Haushalt. Sie versorgte die Stadt als Ganzes; die Verteilung innerhalb der dicht besiedelten Insel blieb eine zusätzliche Arbeit.

Für die Herrschaft war die Quelle ein konkreter Außenposten ihrer Versorgung. Tenochtitlan konnte sich nicht ausschließlich auf die Verteidigung seiner eigenen Häuser verlassen. Es brauchte Zugang zu Land, über das lebenswichtige Zuflüsse verliefen. Dämme erleichterten diesen Verkehr, bündelten ihn aber auch auf angreifbaren Verbindungen.

Wasser zurückhalten

Eine andere Aufgabe erfüllten die Schutzbauten im Seebecken. Nach der großen Überschwemmung von 1449 ließ man einen langen Damm zwischen Iztapalapa und Atzacoalco errichten. Die Überlieferungen verbinden ihn mit Nezahualcoyotl, dem Herrscher von Texcoco. Der Damm grenzte den westlichen Bereich um die Inselstadt gegen Wasser aus dem östlichen See ab. Durchlässe ermöglichten weiterhin Wasserbewegung und Verkehr; ihre Kontrolle gehörte zum Betrieb der Anlage.

Trinkwasserzufuhr und Hochwasserschutz lösten unterschiedliche Probleme. Bei der Leitung musste genügend geeignetes Wasser ankommen. Beim Damm ging es darum, schädliche Wassermassen zurückzuhalten und unterschiedliche Bereiche des Sees voneinander abzugrenzen. Eine Stadt konnte gleichzeitig Mangel an Trinkwasser und ein Übermaß an Wasser um ihre Häuser erfahren.

Das Zusammenspiel betraf die Felder ebenso wie die Wohngebiete. Veränderungen des Wasserstands konnten Anbauflächen schädigen; ungeeignetes Wasser bedrohte ihre Nutzbarkeit. Weil mehrere Gemeinden von demselben Seebecken abhingen, mussten Eingriffe auch nach ihren Folgen für die Nachbarn beurteilt werden.

Erhalten ist eine dauernde Aufgabe

Große Bauwerke ließen sich durch angeordnete Arbeitsleistungen errichten. Danach mussten Menschen Schäden bemerken und ausbessern. Bei der Doppelrinne aus Chapultepec war diese Wartung bereits in die Bauweise eingegangen. Eine gewaltsame Unterbrechung der ganzen Verbindung ließ sich dadurch jedoch nicht auffangen: Im Mai 1521 zerstörten die Belagerer die Wasserzufuhr vom Festland.

Wie stark sich der Wasserstand beeinflussen ließ, erlebten die Angreifer bereits zu Beginn des Jahres 1521 bei Iztapalapa. Nachdem der spanische Anführer Hernán Cortés und seine Verbündeten in den Ort eingedrungen waren, öffneten die Verteidiger nachts Schleusen des Nezahualcoyotl-Damms. Wasser überflutete das besetzte Gebiet. Viele indigene Krieger der Angreifer ertranken; die Überlebenden mussten sich zurückziehen. Eine Anlage, die Stadt und Felder schützen sollte, ließ sich im Krieg durch die gezielte Öffnung ihrer Durchlässe gegen eine eindringende Armee wenden.


Zum Weiterlesen

Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.

Riese, B. (2011): Das Reich der Azteken: Geschichte und Kultur.*

Prem, Hanns, J. (2011): Die Azteken: Geschichte, Kultur, Religion.*

Bildnachweis

Titel: Karte von Tenochtitlan, 1524.jpg

Handschrift: Moctezuma II. in Chapultepec im Codex Durán. Wikimedia Commons, Diego Durán et al.

Alle Bilder gemeinfrei.

Schreibe einen Kommentar