Am 1. Juni 1485 zog der ungarische König Matthias Corvinus in Wien ein. Die Stadt hatte nach monatelanger Belagerung aufgegeben. In der Burg richtete nun der Gegner der Habsburger seinen Hof ein. Kaiser Friedrich III. hatte sich bereits im Vorjahr nach Linz zurückgezogen. Ein wichtiger Ort seiner Herrschaft war in fremde Hände gefallen.
Zwei Herrscher kämpfen um Vorrang
Der Konflikt reichte Jahrzehnte zurück. Matthias regierte seit 1458 als König von Ungarn. Ein Jahr später wählte eine Gruppe ungarischer Adliger Friedrich zum Gegenkönig. Der Habsburger besaß zudem die Stephanskrone, die für eine rechtmäßige ungarische Krönung benötigt wurde.

1463 verständigten sich die Rivalen im Vertrag von Ödenburg-Wiener Neustadt. Friedrich gab die Krone heraus; Matthias konnte sich im folgenden Jahr mit ihr krönen lassen. Dafür sicherte der Vertrag den Habsburgern die Nachfolge in Ungarn zu, falls Matthias ohne legitimen männlichen Erben sterben sollte. Der Kaiser hielt damit einen Anspruch fest, dessen Einlösung von einer ungewissen Zukunft abhing.
Ein neuer Streit entstand um Böhmen. Dort beanspruchten Matthias und Wladislaw aus dem Haus der Jagiellonen zugleich den Königstitel. Friedrich unterstützte Wladislaw und belehnte ihn 1477 mit den Ländern der böhmischen Krone. Matthias griff daraufhin Österreich an. Wien hielt der ersten Belagerung stand, doch im Frieden musste Friedrich eine Zahlung von 100.000 Gulden zusagen. Zahlungsrückstände verschärften den Konflikt. 1482 begann Matthias einen neuen Feldzug gegen die österreichischen Länder.
Der Ring um Wien schließt sich
Der Ungarnkönig verfügte über ein schlagkräftiges Söldnerheer, dessen Unterhalt er durch hohe Steuereinnahmen finanzierte. Seine Truppen nahmen 1482 Hainburg und im folgenden Jahr Klosterneuburg ein. Sie eroberten damit wichtige Stützpunkte im Umfeld Wiens und erschwerten dessen Versorgung.
1484 versuchte ein kaiserliches Heer, die belagerte Stadt Korneuburg zu entsetzen, also von außen zu befreien. Bei Leitzersdorf wurde es von den Ungarn geschlagen. Korneuburg kapitulierte im Dezember. Der Ring um Wien wurde enger.
Ende Januar 1485 begann die entscheidende Belagerung Wiens. Die Verteidiger hielten die Stadt zunächst, während die Lebensmittel knapper wurden.
Die Versorgung entscheidet

Die Kriegsjahre hatten Wien bereits schwer belastet. Wiederholte Abgaben und der gestörte Handel schwächten die Wirtschaft. Nun traf die Einschließung eine Stadt, deren Mittel seit Langem angespannt waren.
Friedrich verlangte Anfang 1485 von Steyr Geld für Getreide, das andernorts zur Verpflegung Wiens gekauft worden war. Die Versorgung blieb unter der Blockade unzureichend. Friedrichs eigene Mittel waren begrenzt, und die Fürsten des Reichs unterstützten ihn nur unzureichend. So kam den Wienern während der entscheidenden Monate kein Heer zu Hilfe, das die Einschließung hätte aufbrechen können.
Mit dem wachsenden Hunger schwand die Aussicht, den Widerstand fortzusetzen. Die Stadt verhandelte über ihre Übergabe. Matthias konnte Anfang Juni feierlich einziehen und die Herrschaft übernehmen.
Fünf Jahre unter ungarischer Herrschaft
Am 24. Juni 1485 huldigten Matthias die Landstände Österreichs unter der Enns. Diese Versammlung vereinte Vertreter des Adels, der Geistlichkeit und der landesfürstlichen Städte. Der König trat nun auch als Herzog von Österreich auf. 1487 fiel nach langer Belagerung Wiener Neustadt. Große Teile Niederösterreichs standen unter seiner Herrschaft.
In Wien sicherte Matthias seine Stellung durch die Neubesetzung wichtiger Ämter. Zugleich begann sich das Wirtschaftsleben zu erholen. Der Hof brachte den Handwerkern neue Aufträge, und der Großhandel gewann wieder an Bedeutung. Die steuerliche Belastung blieb hoch. Beim Wiederaufbau der zerstörten Donaubrücke übernahm der König jedoch die Hälfte der Kosten aus landesfürstlichen Einkünften. 1488 bestätigte er die Rechte und Freiheiten der Stadt.
Maximilian gewinnt Wien zurück

Am 6. April 1490 starb Matthias in der Wiener Burg. Sein unehelicher Sohn Johann Corvinus konnte sich als Nachfolger nicht durchsetzen. Friedrichs Sohn Maximilian berief sich auf das habsburgische Nachfolgerecht, doch die ungarischen Stände wählten Wladislaw zum König. Maximilian, seit 1486 römisch-deutscher König, nutzte den Machtwechsel für einen Feldzug zur Rückgewinnung der besetzten österreichischen Gebiete.
Maximilian rückte mit einem Heer nach Osten vor. Im August 1490 gelangte Wien wieder unter habsburgische Herrschaft. Der Krieg wurde 1491 im Frieden von Pressburg beendet. Maximilian erkannte Wladislaw als König von Ungarn an; dieser bestätigte den Habsburgern erneut ein Nachfolgerecht für den Fall, dass seine männliche Linie aussterben sollte.
Zum Weiterlesen
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Heimann, H.-D. (2025): Die Habsburger. Dynastie und Kaiserreiche.*
Rady, M. (2021): Die Habsburger. Aufstieg und Fall einer Weltmacht.*
Bildnachweis
Titel: Wien im 15. Jahrhundert. Nürnberger Chroniken.
Matthias Corvinus: Wikimedia Commons, Szeder László. CC BY-SA 4.0
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