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Der König hält die Heringsflotte fest – Lübeck unter dänischer Herrschaft

Vor der Küste Schonens lässt König Knut VI. die Lübecker Heringsflotte festhalten. Für die Kaufleute steht das Geschäft einer ganzen Saison auf dem Spiel. Der König gibt die Schiffe erst frei, nachdem Lübeck ihn als Stadtherrn anerkannt hat. Im Jahr 1201 wird der dänische König zum neuen Herrn der Stadt.

Ein vorteilhafter Herrscherwechsel

Knut VI. stirbt bereits 1202. Sein Bruder Waldemar II. übernimmt den Thron und setzt die Herrschaft über Lübeck fort. Er bestätigt die Rechte, die Heinrich der Löwe und Kaiser Friedrich Barbarossa der Stadt verliehen hatten.

Waldemar II.

Für die Lübecker Kaufleute bringt der Wechsel handfeste Vorteile. Waldemar bekämpft Seeräuber und sichert die Verkehrswege innerhalb seines wachsenden Reiches. Seine Herrschaft reicht zeitweise über große Teile der südlichen Ostseeküste. Lübecker Schiffe können viele Häfen unter dem Schutz desselben Königs anlaufen.

Besonders wichtig sind die Märkte in Schonen. Jeden Herbst werden dort gewaltige Mengen Hering gefangen und eingesalzen. Waldemar gewährt den Lübeckern bessere Handelsbedingungen und erlaubt ihnen, Waren weitgehend frei ein- und auszuführen. Damit genießen sie teilweise größere Freiheiten als einheimische dänische Händler.

Ein Seezeichen bei Falsterbo

Ein Privileg von 1220 zeigt, wie konkret der König den Lübecker Handel fördert. Waldemar erlaubt der Stadt, bei Falsterbo ein hölzernes Seezeichen zu unterhalten. Das benötigte Bauholz dürfen die Lübecker in der Umgebung schlagen.

Das Seezeichen hilft den Schiffen, die flache und gefährliche Küste sicherer anzulaufen. Für seinen Unterhalt müssen regelmäßig Holz und Arbeitskräfte bereitstehen. Der König überträgt diese Aufgabe den Kaufleuten, die von der besseren Orientierung am meisten profitieren.

Auch Lübeck selbst verändert sich unter dänischer Herrschaft. Waldemar lässt die Stadt befestigen. Im Jahr 1221 werden die landesherrliche Burg und der Bereich um den Dom gemeinsam mit der Bürgerstadt ummauert. In der Burg residiert Albrecht von Orlamünde, ein Neffe des Königs und dessen Vertreter in Norddeutschland.

Der König wird entführt

Im Mai 1223 nimmt Graf Heinrich von Schwerin Waldemar II. und dessen Sohn auf der dänischen Insel Lyø gefangen. Der König verbringt mehr als zwei Jahre in Haft. Seine Gegner nutzen die Gelegenheit, um die dänische Herrschaft in Norddeutschland abzuschütteln.

Auch Waldemars Statthalter gerät in Gefangenschaft. Albrecht von Orlamünde verliert 1225 eine Schlacht bei Mölln. Lübeck ist damit vom unmittelbaren Zugriff des Königs und seines Vertreters befreit.

Die Bürger wenden sich an Kaiser Friedrich II. Im Juni 1226 stellt er den Reichsfreiheitsbrief aus. Lübeck untersteht fortan direkt dem König oder Kaiser des Reiches. Ansprüche benachbarter Grafen und Herzöge sollen damit abgewehrt werden. Die Lübecker reißen die landesherrliche Burg am nördlichen Zugang der Stadt ab.

Die Entscheidung bei Bornhöved

Waldemar II. versucht nach seiner Freilassung, die verlorenen Gebiete zurückzugewinnen. Am 22. Juli 1227 trifft sein Heer bei Bornhöved auf eine Koalition norddeutscher Fürsten und Städte. Auch Lübeck schickt Kämpfer.

Das dänische Heer verliert die Schlacht. Waldemar muss seine Ansprüche auf Lübeck aufgeben. Damit endet die dänische Stadtherrschaft, von der die Kaufleute mehr als zwei Jahrzehnte lang profitiert hatten.

Auf dem Platz der abgetragenen Burg entsteht anschließend ein Dominikanerkloster. Es wird Maria Magdalena geweiht, der Heiligen des Schlachttages.


Schlacht bei Bornhöved, aus einem Manuskript, 14. Jhdt.

Zum Weiterlesen

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Hammel-Kiesow, R. (2025): Die Hanse.*

Wubs-Mrozewicz, J.; Jenks, S. (Hrsg.) (2013): The Hanse in Medieval and Early Modern Europe.*

Bildnachweis

Titel: Dänische Gebiete unter Waldemar II.

Alle Bilder gemeinfrei.

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