Am Morgen des 7. März 1936 rückten deutsche Soldaten in das entmilitarisierte Rheinland ein. Insgesamt hatte Hitler rund 30.000 Mann für die Aktion bereitgestellt; etwa 3.000 Soldaten überschritten den Rhein und marschierten in den westlichen Teil der Zone. Frankreich verfügte über die stärkeren Streitkräfte. Großbritannien und Frankreich protestierten – militärisch griffen sie nicht ein.
Für Hitler war das Ergebnis entscheidend. Er hatte einen internationalen Vertrag offen verletzt und war damit durchgekommen. In Deutschland wurde der Einmarsch als Wiederherstellung nationaler Souveränität gefeiert.
Der Erfolg verstärkte eine Erfahrung, die Hitlers Außenpolitik seit 1933 prägte: Er konnte Risiken eingehen, solange seine Gegner vor einem neuen europäischen Krieg zurückschreckten. Mit jedem Erfolg wurde der nächste Schritt leichter.
Deutschland verlässt den Völkerbund

Hitlers erste außenpolitische Entscheidungen wirkten noch vorsichtiger.
Deutschland war durch den Versailler Vertrag militärisch stark eingeschränkt. Gleichzeitig verhandelten die europäischen Staaten seit Jahren über Abrüstung. Hitler verlangte, Deutschland müsse entweder dieselben militärischen Rechte erhalten wie andere Staaten oder auch diese müssten abrüsten.
Am 14. Oktober 1933 zog er Deutschland aus der Genfer Abrüstungskonferenz zurück und kündigte zugleich den Austritt aus dem Völkerbund an.
Die Entscheidung ließ er in einer Volksabstimmung bestätigen. Nach den offiziellen Zahlen stimmte eine überwältigende Mehrheit dem Kurs der Regierung zu.
Hitler konnte sich damit als Politiker darstellen, der eine als demütigend empfundene Ungleichbehandlung Deutschlands beendete. Zugleich beseitigte er eine weitere internationale Bindung, die seiner Aufrüstung im Weg stand.
Nach außen sprach er weiterhin vom Frieden.
Im Inneren lief längst die militärische Aufrüstung.
Die Wehrpflicht kehrt zurück
Im März 1935 erklärte die Regierung offen, was sie zuvor teilweise verdeckt betrieben hatte: Deutschland baute wieder eine große Armee auf.

Am 16. März führte Hitler die allgemeine Wehrpflicht wieder ein. Damit verletzte Deutschland erneut den Versailler Vertrag.
Großbritannien, Frankreich und Italien protestierten. Eine gemeinsame Gegenmaßnahme blieb jedoch aus.
Nur drei Monate später schloss die britische Regierung sogar ein Flottenabkommen mit Deutschland. Die deutsche Kriegsmarine durfte danach eine Stärke von 35 Prozent der britischen Überwasserflotte erreichen.
Für London erschien das Abkommen als Möglichkeit, die deutsche Aufrüstung zumindest vertraglich zu begrenzen. Für Hitler war es ein weiterer Erfolg. Großbritannien hatte mit Deutschland über eine Rüstungsfrage verhandelt, die eigentlich durch den Versailler Vertrag geregelt war.
Die internationale Nachkriegsordnung wurde damit Stück für Stück verhandelbar.
Der Coup im Rheinland
Die nächste Gelegenheit ergab sich Anfang 1936.
Nach den Verträgen von Versailles und Locarno durfte Deutschland im Rheinland keine Truppen stationieren. Frankreich betrachtete diese entmilitarisierte Zone als wichtigen Schutz gegen einen neuen deutschen Angriff.
Hitler nutzte die Ratifizierung eines französisch-sowjetischen Beistandspakts als Vorwand. Er behauptete, Frankreich habe damit selbst die Grundlagen von Locarno verletzt, und setzte am 7. März den Einmarsch in Gang.
Das Unternehmen war riskant. Die deutsche militärische Führung wusste, dass die Wehrmacht einem ernsthaften französischen Vorgehen kaum gewachsen gewesen wäre. Hitler selbst war bis zuletzt nervös.
Frankreich wollte jedoch ohne Großbritannien keinen Krieg riskieren. Die britische Regierung sah den deutschen Schritt zwar als Vertragsbruch, hielt die Forderung nach deutscher Kontrolle über das eigene Staatsgebiet aber grundsätzlich für nachvollziehbar.
Für Hitler veränderte sich damit mehr als die militärische Lage am Rhein. Seine Gegner hatten gezeigt, dass sie selbst bei einem offenen Vertragsbruch vor Gewalt zurückschreckten.
In Deutschland stieg sein Ansehen weiter.
Hitler richtet den Blick nach Österreich
Im Laufe des Jahres 1937 wurde der außenpolitische Kurs offensiver.
Am 5. November sprach Hitler in der Reichskanzlei mit führenden Militärs und Außenminister Konstantin von Neurath. Er machte deutlich, dass die Erweiterung des deutschen Machtbereichs für ihn auf Dauer nur durch Gewalt erreichbar sei. Österreich und die Tschechoslowakei standen dabei besonders im Blickpunkt.
Anfang 1938 beseitigte Hitler zugleich wichtige personelle Hindernisse. Außenminister Neurath musste Joachim von Ribbentrop weichen. Auch an der Spitze der Wehrmacht kam es zu Veränderungen.
Wenige Wochen später erhöhte Hitler den Druck auf Österreich.
Bundeskanzler Kurt Schuschnigg musste am 12. Februar 1938 auf den Berghof kommen. Hitler setzte ihn dort unter massiven Druck und verlangte Zugeständnisse an die österreichischen Nationalsozialisten.
Schuschnigg versuchte daraufhin einen eigenen Ausweg. Für den 13. März kündigte er eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Österreichs an.
Berlin reagierte sofort.
Hitler verlangte die Absage der Abstimmung und Schuschniggs Rücktritt. Unter dem Druck aus Deutschland übernahm der österreichische Nationalsozialist Arthur Seyß-Inquart das Kanzleramt.
Am 12. März überschritten deutsche Truppen die Grenze.
Ernsthafter Widerstand blieb aus. Einen Tag später wurde der Anschluss gesetzlich beschlossen. Am 15. März stand Hitler auf dem Wiener Heldenplatz und verkündete vor einer riesigen Menschenmenge den Eintritt Österreichs in das Deutsche Reich.
Großbritannien und Frankreich protestierten, griffen aber erneut nicht ein.

Prag wird zum nächsten Ziel
Mit Österreich hatte Hitler ein Gebiet gewonnen, dessen Eingliederung viele Deutsche schon seit 1918 gefordert hatten. Doch dabei blieb er nicht.
Nun geriet die Tschechoslowakei unter immer stärkeren Druck.
Im Sudetenland lebten mehr als drei Millionen Deutschsprachige. Ihre politische Vertretung führte Konrad Henlein. Hitler ließ ihn Forderungen stellen, die für die Regierung in Prag immer schwerer zu erfüllen waren.
Die Sudetendeutsche Partei verlangte weitgehende Autonomie. Gleichzeitig verschärfte die deutsche Propaganda den Konflikt und stellte die deutschsprachige Bevölkerung als Opfer tschechischer Unterdrückung dar.
Hitlers Ziel ging weiter. Im Sommer 1938 ließ er einen militärischen Angriff auf die Tschechoslowakei vorbereiten.
Das Risiko war beträchtlich. Die Tschechoslowakei verfügte über eine gut ausgerüstete Armee und starke Grenzbefestigungen. Außerdem bestanden Bündnisse mit Frankreich und der Sowjetunion.
Ein deutscher Angriff konnte deshalb einen europäischen Krieg auslösen.
Chamberlain fliegt zu Hitler
Der britische Premierminister Neville Chamberlain wollte genau diesen Krieg verhindern.
Seine Regierung wusste, dass Großbritannien militärisch noch nicht ausreichend vorbereitet war. Auch die Erinnerung an die Verluste des Ersten Weltkriegs bestimmte die öffentliche Stimmung. Chamberlain glaubte zudem, berechtigte deutsche Forderungen ließen sich durch Verhandlungen erfüllen und Hitler dadurch von weiteren gewaltsamen Schritten abhalten.
Am 15. September 1938 flog der fast siebzigjährige Premierminister erstmals nach Deutschland und traf Hitler auf dem Berghof.
Hitler verlangte die Abtretung der mehrheitlich deutschsprachigen Gebiete der Tschechoslowakei. Chamberlain hielt eine Vereinbarung für möglich.
Großbritannien und Frankreich übten daraufhin massiven Druck auf die Regierung in Prag aus. Die Tschechoslowakei sollte Gebiete abtreten, um einen Krieg zu verhindern.
Prag gab nach.
Doch Hitler erhöhte bei seinem zweiten Treffen mit Chamberlain am 22. September die Forderungen und verlangte eine schnelle deutsche Besetzung des Sudetenlands.
Europa stand nun unmittelbar vor einem Krieg.
Die Tschechoslowakei sitzt nicht mit am Tisch
Ende September mobilisierte Frankreich teilweise seine Streitkräfte. Großbritannien setzte die Flotte in Bereitschaft. In der Tschechoslowakei war die Armee mobilisiert.
Dann schlug Benito Mussolini eine Konferenz vor.

Am 29. September trafen Hitler, Mussolini, Chamberlain und der französische Regierungschef Édouard Daladier in München zusammen. Vertreter der Tschechoslowakei blieben von den Verhandlungen ausgeschlossen.
In der Nacht zum 30. September unterzeichneten die vier Regierungschefs das Münchner Abkommen.
Die Tschechoslowakei musste das Sudetenland an Deutschland abtreten.
Hitler erhielt damit ohne Krieg ein Gebiet mit wichtigen Industrieanlagen und großen Teilen der tschechoslowakischen Grenzbefestigungen. Die militärische Lage des verbleibenden Staates verschlechterte sich erheblich.
In London und Paris wurden Chamberlain und Daladier dennoch von erleichterten Menschenmengen empfangen. Ein neuer europäischer Krieg schien verhindert.
Auch in Deutschland überwog die Erleichterung.
Hitler selbst war dagegen unzufrieden. Er hatte die Krise ursprünglich nutzen wollen, um die Tschechoslowakei militärisch zu zerschlagen. Das Münchner Abkommen hatte ihm zwar das Sudetenland gebracht, aber zugleich den Krieg verhindert, den er inzwischen zu riskieren bereit gewesen war.
Deutsche Soldaten marschieren in Prag ein
Die Behauptung, Hitler wolle lediglich deutsch besiedelte Gebiete in das Reich eingliedern, hielt nur wenige Monate.
Im März 1939 zerfiel die geschwächte Tschechoslowakei unter deutschem Druck weiter. Die Slowakei erklärte ihre staatliche Selbstständigkeit und geriet unmittelbar in deutsche Abhängigkeit.
Hitler bestellte den tschechoslowakischen Präsidenten Emil Hácha in der Nacht vom 14. auf den 15. März nach Berlin. In der Reichskanzlei setzte er den erschöpften Präsidenten massiv unter Druck und kündigte den Einmarsch der Wehrmacht an.
Am Morgen des 15. März marschierten deutsche Truppen in Böhmen und Mähren ein. Einen Tag später entstand dort das deutsche Protektorat Böhmen und Mähren.
Nun ließ sich die Expansion kaum noch mit dem Recht deutschsprachiger Bevölkerungsgruppen begründen. Millionen Tschechen gerieten unter deutsche Herrschaft.
Für die britische Regierung war damit eine Grenze überschritten.
Chamberlains Versuch, Hitler durch Zugeständnisse auf begrenzte Revisionen festzulegen, war gescheitert.
Polen wird zum nächsten Konflikt
Hitlers Blick richtete sich nun auf Polen.
Deutschland verlangte die Eingliederung der Freien Stadt Danzig und eine besondere Verkehrsverbindung durch den sogenannten Polnischen Korridor nach Ostpreußen. Die polnische Regierung lehnte die deutschen Forderungen ab.
Am 31. März 1939 erklärte Chamberlain, Großbritannien werde Polen unterstützen, falls dessen Unabhängigkeit bedroht werde. Frankreich schloss sich an.
Hitlers bisherige Methode stieß damit erstmals auf eine ausdrückliche britische Sicherheitsgarantie.
Er wich trotzdem nicht zurück.
Anfang April ließ er einen militärischen Angriffsplan gegen Polen vorbereiten. Die Wehrmacht sollte vom 1. September 1939 an einsatzbereit sein.
Sechs Jahre zuvor hatte Hitler Deutschland aus dem Völkerbund geführt. Danach hatte er die Wehrpflicht eingeführt und das Rheinland remilitarisiert. Jeder Erfolg hatte seinen Glauben verstärkt, dass seine Gegner am entscheidenden Punkt zurückweichen würden.
Im Frühjahr 1939 traf diese Erfahrung auf eine veränderte Lage. Großbritannien und Frankreich hatten entschieden, einen weiteren deutschen Expansionsschritt nicht mehr einfach hinzunehmen.
Hitler setzte dennoch darauf, dass sie auch diesmal nicht kämpfen würden.

Zum Weiterlesen
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- Ian Kershaw (2009): Hitler 1889–1945 – Standardwerk zur frühen Biographie und zur ideologischen Formierung Hitlers.*
- Volker Ullrich (2013): Hitler. Aufstieg 1889–1939 – gut lesbare Gesamtdarstellung mit starkem biographischem Zugriff.*
- Sebastian Haffner (1981): Anmerkungen zu Hitler – Klassiker.*
Bildnachweis
Titel: Ribbentrop und Chamberlain bei der Münchener Konferenz. Bundesarchiv, Bild 183-J0921-0500-001 / CC-BY-SA 3.0.
Münchner Abkommen: Bundesarchiv, Bild 183-R69173 / CC-BY-SA 3.0.
Wagenkolonne Hitlers in Wien: Bundesarchiv, Bild 146-1972-028-14 / CC-BY-SA 3.0.
Karte: Wikimedia Commons, WwJLaik. CC BY-SA 4.0.




