Am 29. August 1512 drangen spanische Soldaten in Prato ein. Die Stadt wurde geplündert, Bewohner wurden getötet oder misshandelt. Das Heer unter Raimondo de Cardona war nach Toskana gekommen, um politischen Druck auf Florenz auszuüben. Nach dem Fall Pratos musste die Florentiner Führung damit rechnen, dass auch ihre eigene Stadt angegriffen würde.
Der Kardinal Giovanni de’ Medici begleitete die päpstliche Seite dieses Unternehmens. Seine Familie wollte seit der Vertreibung von 1494 zurückkehren. Nun verliehen die Waffen eines auswärtigen Bündnisses dieser Forderung ein Gewicht, das frühere Verschwörungen und Verhandlungen nicht erreicht hatten.
Die französische Verbindung wurde zur Gefahr
Florenz hatte seine Unabhängigkeit während der italienischen Kriege durch ein enges Verhältnis zu Frankreich zu sichern versucht. Diese Verbindung beeinflusste auch den anhaltenden Kampf um Pisa, das erst 1509 wieder unterworfen worden war. Der Erfolg schien die außenpolitische Richtung der Republik zunächst zu bestätigen.
Papst Julius II. wollte dagegen die französische Macht in Italien zurückdrängen. In der 1511 geschlossenen Heiligen Liga fand er Verbündete für diesen Krieg. Sobald die Franzosen 1512 ihre Stellung in Norditalien verloren, fehlte Florenz ein wirksamer militärischer Rückhalt gegen die Gegner dieser Politik.
Eine Haltung, die der Republik Schutz versprochen hatte, machte sie nun angreifbar. Giovanni konnte seine Familieninteressen mit den Forderungen der päpstlichen Seite verbinden. Cardonas spanische Truppen schufen dafür die militärischen Voraussetzungen. Die Rückkehr der Familie wurde damit Teil einer päpstlichen Bündnispolitik, deren Forderungen spanische Soldaten durchsetzten.
Was die Miliz leisten sollte
Florenz hatte versucht, seine Verteidigung stärker auf eigene Untertanen zu stützen. Niccolò Machiavelli wirkte als Mitarbeiter der Republik an der Organisation dieser Miliz mit. Die Hoffnung war, weniger von wechselnden Söldnerführern abhängig zu sein und verfügbare Truppen aus dem eigenen Gebiet zu gewinnen.
Prato zeigte die Grenzen dieses Vorhabens in einer konkreten Lage. Die Verteidigung hielt dem Angriff erfahrener Soldaten nicht stand. Männer verließen ihre Positionen, und der Einbruch in die Stadt setzte eine Gewalt frei, die sich nicht als gewöhnliche Besetzung beschreiben lässt.
Die Zahl der Opfer wird in den Berichten unterschiedlich angegeben. Eine scheinbar genaue Gesamtsumme würde eine Sicherheit vortäuschen, die die Überlieferung nicht bietet. An der politischen Wirkung des Massakers besteht dagegen kein Zweifel: Die Nachrichten erzeugten in Florenz Angst und verschärften den Druck auf die Regierung.
Für die Bewohner folgte aus dem Zusammenbruch der Verteidigung eine Katastrophe. Für die Regierung der Republik fiel zugleich ein Hindernis gegen den Vormarsch des Gegners. Das Heer, das Florenz zur Änderung seiner Politik zwingen sollte, hatte seine Gewalt bereits in der Nachbarstadt gezeigt.
Soderini verlor den Rückhalt
Seit 1502 bekleidete Piero Soderini das Amt des Gonfaloniere auf Lebenszeit. Die ungewöhnlich lange Amtsdauer sollte der Republik eine festere Spitze geben. Er musste dennoch mit Räten und konkurrierenden Familien zusammenarbeiten. Seine Stellung war keine erblich gesicherte Herrschaft.

Der auswärtige Angriff traf deshalb auf innere Spannungen. Gegner Soderinis konnten behaupten, seine Fortsetzung an der Spitze gefährde die Stadt. Selbst wer keine Rückkehr der Medici wünschte, musste nun abwägen, ob sich militärischer Widerstand noch verantworten ließ.
Am 31. August verließ Soderini Florenz mit einem Geleitbrief und ging zunächst nach Siena. Francesco Vettori begleitete ihn. Damit verlor die Republik den Mann, der ihre Politik zehn Jahre lang an der Spitze vertreten hatte. Die Änderung öffnete jedoch nicht von selbst den Weg zu einer einvernehmlichen Verfassung. Führende Bürger hofften teilweise, eine engere republikanische Ordnung ohne Soderini und ohne unbeschränkte Medici-Macht errichten zu können.
Die Familie besaß unter diesen Bedingungen einen entscheidenden Vorteil: Hinter ihren Forderungen standen die siegreichen auswärtigen Kräfte. Ihre Verhandlungspartner mussten die Gefahr eines Angriffs berücksichtigen. Das begrenzte die Aussicht, den Rückkehrern aus eigener städtischer Autorität verbindliche Schranken zu setzen.
Die Rückkehr veränderte die Verfahren
Im September kamen die Medici wieder nach Florenz. Die neue Ordnung entstand durch außerordentliche Vollmachten und die Ausschaltung der Einrichtungen, die seit 1494 breitere Beteiligung ermöglicht hatten. Der Große Rat wurde beseitigt. Verlässliche Anhänger erhielten erneut Einfluss auf die Besetzung der Regierung.
Das Geschehen griff auf vertraute Florentiner Mittel zurück. Eine Sonderkommission konnte unter dem Anspruch der Staatsreform bestehende Verfahren verändern. Die Macht des Hauses sollte so mit amtlichen Beschlüssen verbunden werden. Der militärische Druck, unter dem diese zustande kamen, blieb jedoch Teil ihrer Entstehung.
Unterstützer verlangten Ämter als Belohnung für achtzehn Jahre treuer Dienste. Andere Bürger hatten inzwischen lange in einer Republik mit breiterer Beteiligung gelebt. Wie gefährlich die Gegensätze blieben, zeigte sich im Februar 1513: Nach der Entdeckung einer Verschwörung gegen die Medici wurde auch Machiavelli verhaftet und gefoltert. Er hatte seine Stelle in der Verwaltung bereits verloren. Ein Verdacht auf Verbindung zu den Gegnern reichte nun, auch einen früheren Diener der Republik der Gewalt des neuen Regimes auszusetzen.
Ein Florentiner wurde Papst
Giovanni wurde im März 1513 als Leo X. zum Papst gewählt. Sein Aufstieg gab der Familie einen Machtmittelpunkt, der weit über die Stadt hinausreichte. In Florenz konnte sein jüngerer Bruder Giuliano die Familie vertreten, während wesentliche Entscheidungen mit Rom verbunden blieben.
Viele Anhänger hofften auf kirchliche Einkünfte und einflussreiche Stellen. Solche Erwartungen ließen sich nur für einen Teil von ihnen erfüllen. Der päpstliche Haushalt förderte bevorzugt die engsten Verwandten und bewährte Vertraute. Ein Florentiner Bürger besaß deshalb nicht schon aufgrund seines Anteils an der Rückkehr Anspruch auf einen lohnenden Platz in Rom.
Auch innerhalb der Stadt trat die Abhängigkeit vom päpstlichen Familienoberhaupt stärker hervor. Sekretäre und andere persönliche Mitarbeiter vermittelten Zugang. Für führende Patrizier konnte es demütigend sein, Anliegen ihrer Republik nun über Männer vortragen zu müssen, deren Gewicht vor allem aus der Nähe zum Medici-Haushalt stammte.
Machiavelli kam im Zusammenhang mit der Amnestie nach Leos Wahl aus der Haft frei. Derselbe Mann, der wenige Monate zuvor noch für die Republik gearbeitet hatte, suchte nun über persönliche Fürsprecher Hilfe bei den Medici. Mit der Rückkehr hatte sich für ihn die Bedeutung eines politischen Kontakts verändert: Er sollte den verlorenen Amtszugang ersetzen und Schutz vor weiterer Verfolgung bieten.
Zum Weiterlesen
Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.
Reinhardt, V. (2009): Geld und Freunde. Wie die Medici die Macht in Florenz eroberten.* Darstellung der politischen Verfahren und persönlichen Verbindungen im Florenz des frühen 15. Jahrhunderts.
Reinhardt, V. (2022): Die Medici. Florenz im Zeitalter der Renaissance.* Überblick über die Familie und die politische Gesellschaft der Stadt.
Bildnachweise
Titelbild: Domplatz in Prato. Zairon. CC BY 4.0. Bildquelle.
Piero Soderini, Porträt des frühen 16. Jahrhunderts. Sammlung Paolo Giovio. gemeinfrei. Bildquelle.
Leo X. mit zwei Kardinälen, Gemälde von Raffael, 1518. Raphael. gemeinfrei. Bildquelle.



