Ende 1946 zogen die Banken von Newark eine ernüchternde Bilanz. Heimkehrende Soldaten konnten im Rahmen der GI Bill staatlich abgesicherte Kredite beantragen, um ein Haus zu kaufen oder ein Geschäft zu gründen. Von 6.052 eingereichten Anträgen hatten die beteiligten Banken lediglich 605 bewilligt. Neun von zehn Antragstellern gingen leer aus.
Viele Veteranen hatten geglaubt, ihre Entlassungspapiere würden ihnen den Weg zum Kredit öffnen. Tatsächlich zahlte der Staat das Geld nicht selbst aus. Die Veteranenbehörde garantierte lediglich einen Teil des Darlehens; über die Vergabe entschied weiterhin die jeweilige Bank.
Deren Prüfer verlangten ein regelmäßiges Einkommen und ausreichende Sicherheiten. Männer, die kaum Ersparnisse besaßen, erhielten daher häufig kein Darlehen. Ihnen fehlte gerade jenes Vermögen, das sie mithilfe des Kredits erst erwerben wollten.
Der Staat bürgt, die Bank entscheidet
Der GI Bill erlaubte Veteranen, günstige Kredite für den Kauf eines Hauses aufzunehmen. Auch ein Bauernhof ließ sich auf diesem Weg erwerben. Wer ein Geschäft gründen wollte, konnte ebenfalls eine staatliche Garantie beantragen.
Der Staat verlieh das Geld nicht selbst. Private Banken prüften die Anträge und entschieden, welchem Kunden sie vertrauten. Die Veteranenbehörde übernahm einen Teil des möglichen Verlustes.

Zwischen 1944 und der Verabschiedung eines neuen Veteranengesetzes für den Koreakrieg im Jahr 1952 sicherte die Behörde knapp 2,4 Millionen Hausdarlehen ab. Bis 1956 besaßen 42 Prozent der Veteranen des Zweiten Weltkriegs ein Eigenheim. Bei gleichaltrigen Männern ohne Militärdienst waren es 34 Prozent.
Die Zahlen zeigen die Wirkung des Programms. Sie verdecken zugleich, wie ungleich die Kredite verteilt wurden. Ein Veteran mit guter Ausbildung und gesichertem Einkommen erschien der Bank als verlässlicher Kunde. Ein ungelernter Arbeiter ohne Ersparnisse hatte deutlich schlechtere Chancen.
Der GI Bill half daher häufig jenen Männern am stärksten, die bereits vor ihrer Einberufung günstigere Voraussetzungen besessen hatten.
Gleicher Anspruch, andere Möglichkeiten
Im Gesetzestext stand keine Bestimmung, die afroamerikanische Veteranen ausdrücklich ausschloss. Seine Umsetzung lag jedoch bei Einrichtungen, die nach den örtlichen Regeln handelten. Im Süden bedeutete das weiterhin Rassentrennung.
Auch im Bildungsbereich stießen schwarze Heimkehrer auf Hindernisse. Staatliche Hochschulen konnten ihre Bewerbungen zurückweisen. Die historisch afroamerikanischen Colleges nahmen zahlreiche Veteranen auf, verfügten aber nur über begrenzte Studienplätze. Manche Fachrichtungen wurden dort überhaupt nicht angeboten.
Ein weißer Veteran konnte sich bei einer staatlichen Universität in seiner Heimatregion einschreiben. Ein schwarzer Kamerad mit demselben Anspruch musste möglicherweise weit reisen oder auf das gewünschte Studium verzichten.
Auf dem Wohnungsmarkt setzte sich diese Ungleichheit fort. Banken betrachteten afroamerikanische Antragsteller häufig als schlechte Kreditrisiken. Bundesbehörden bewerteten von Schwarzen bewohnte oder gemischte Viertel ebenfalls als unsichere Anlagen. Neue Vorstadtsiedlungen wählten ihre Käufer aus und lehnten schwarze Familien ab.
Der Bund stellte die Bürgschaft bereit und übernahm Bewertungsmaßstäbe, die schwarze Viertel benachteiligten. Die Veteranenbehörde orientierte sich bei ihren Gutachten weitgehend an den Vorgaben der Federal Housing Administration. Diese erklärte die rassische Zusammensetzung eines Viertels selbst zum finanziellen Risiko.
Ein Haus wird zu Vermögen
Ein Eigenheim bot mehr als zusätzlichen Wohnraum. Mit jeder gezahlten Rate wuchs das Vermögen der Familie. Steigende Grundstückspreise erhöhten später den Verkaufswert.
Das Haus konnte außerdem als Sicherheit für einen weiteren Kredit dienen. Später ließ es sich an die Kinder vererben. Familien, denen Banken den Zugang zum Immobilienmarkt verweigerten, verloren deshalb mehr als eine angenehme Wohnung. Ihnen entging eine der wichtigsten Möglichkeiten zum langfristigen Vermögensaufbau.
Die Folgen reichten weit über die unmittelbaren Nachkriegsjahre hinaus. Viele weiße Veteranen zogen mit staatlich abgesicherten Krediten in neue Vororte. Schwarze Heimkehrer blieben häufiger Mieter in Stadtvierteln, in denen Banken kaum Hypotheken vergaben.
Diese Trennung entstand durch konkrete Entscheidungen am Bankschalter und im Verkaufsbüro. Staatliche Gelder verstärkten sie, weil die Regierung die Vergabe bewusst örtlichen Banken und Bauunternehmen überließ.
Veteraninnen am Rand
Auch Frauen hatten während des Krieges Militärdienst geleistet. Sie stellten ungefähr zwei Prozent des Personals. Nach ihrer Entlassung wurden sie jedoch selten selbstverständlich als Veteraninnen behandelt.
Veteranenverbände erreichten sie schlechter als die heimkehrenden Männer. Manche Arbeitgeber betrachteten ihren Militärdienst sogar als Nachteil. Frauen selbst nahmen ihre Ansprüche teilweise nicht wahr, weil die öffentliche Vorstellung vom Veteranen fast ausschließlich männlich geprägt war.
Die Leistungen folgten dem Modell des männlichen Familienernährers. Ein verheirateter Student erhielt einen höheren Unterhaltszuschuss für seine Angehörigen. Eine verheiratete Veteranin konnte dieselbe Unterstützung für ihren Mann nicht ohne Weiteres beanspruchen.
Auch bei Krediten zählte häufig vor allem das Einkommen des Ehemannes. Das eigene Gehalt einer verheirateten Frau galt als unsicher, weil Banken davon ausgingen, dass sie nach der Geburt eines Kindes ihre Stelle aufgeben würde.
Frauen ohne Militärdienst spürten ebenfalls die Folgen. Hochschulen, die während des Krieges mehr Studentinnen aufgenommen hatten, reservierten nun wieder Plätze für heimkehrende Männer. Einige medizinische und technische Fakultäten begrenzten die Zulassung von Frauen.
Ein bestimmtes Bild vom Wohlstand
Der GI Bill förderte ein gesellschaftliches Modell, in dem der Mann durch Ausbildung ein gesichertes Einkommen erzielte. Mit einem staatlich abgesicherten Kredit erwarb er anschließend ein Haus. Seine Ehefrau sollte den gemeinsamen Haushalt führen.
Für viele Familien brachte diese Ordnung tatsächlich Sicherheit. Das eigene Haus bot Platz für Kinder und schützte vor steigenden Mieten. Zugleich richtete die staatliche Förderung den Nachkriegswohlstand an einem männlichen Veteranen mit ausreichendem Einkommen aus.
Wer diesem Bild entsprach, konnte die Leistungen leichter nutzen. Andere besaßen formal denselben Anspruch, trafen jedoch auf Hochschulen oder Banken, die ihnen den Zugang erschwerten.
Auf den früheren Kartoffelfeldern von Long Island entstanden zur selben Zeit Tausende günstige Häuser. Veteranenkredite machten sie für junge Familien erschwinglich. Die Firma Levitt & Sons verkaufte jedoch keine Häuser an schwarze Käufer. Das amerikanische Wohlstandsversprechen nahm damit eine sichtbare räumliche Form an: neue Vorstädte für diejenigen, denen Banken und Bauunternehmen die Tür öffneten.

Zum Weiterlesen
Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.
Cohen, L. (2003): A Consumers’ Republic. The Politics of Mass Consumption in Postwar America.* Gesellschaftsgeschichte des amerikanischen Nachkriegswohlstands mit einer differenzierten Einordnung des GI Bill.
Patterson, J. T. (1996): Grand Expectations. The United States, 1945–1974.* Umfassende Darstellung der amerikanischen Nachkriegsgeschichte und ihrer gesellschaftlichen Veränderungen.
Bildnachweis
Titel: Dollar Savings Bank, 1946.
Alle Bilder gemeinfrei.



