1948 musste Dorothy Bailey Fragen zu ihren politischen Ansichten und ihrer Gewerkschaftsarbeit beantworten. Seit 1939 arbeitete sie, mit einer Unterbrechung, für die staatliche Arbeitsvermittlung der USA, wo sie Handbücher für Ausbildungsprogramme erstellte. Außerdem leitete sie eine örtliche Gruppe ihrer Gewerkschaft. Im Sommer hatte ein Loyalitätsausschuss ihr schriftlich unter anderem eine Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei vorgeworfen.
Die Anhörung sollte ihre politische Loyalität klären. Doch Bailey erfuhr weder, wer sie belastet hatte, noch erhielt sie genaue Angaben zu den Handlungen, die ihr vorgeworfen wurden. Sie musste ihre Zuverlässigkeit verteidigen, während wesentliche Teile des Materials gegen sie geheim blieben.
Der Präsident lässt prüfen

Die Grundlage dafür hatte Präsident Harry S. Truman am 21. März 1947 geschaffen. Mit der Executive Order 9835, einer Anordnung des Präsidenten, führte er ein umfassendes Loyalitätsprogramm für den zivilen Bundesdienst ein. Es erfasste bereits Beschäftigte ebenso wie Bewerber.
Truman stand unter politischem Druck. Gegner warfen seiner Regierung vor, Kommunisten im Staatsapparat zu dulden. Nach dem republikanischen Sieg bei den Kongresswahlen von 1946 konnten sie solche Anschuldigungen mit größerem Einfluss verfolgen.
Überprüfungen hatte es bereits während des Krieges gegeben. Truman baute sie nun zu einem dauerhaften Verfahren aus. Er wollte den Angriffen seiner Gegner begegnen und die Durchführung unter der Kontrolle seiner Regierung halten.
Ein Name in einer Akte
Zunächst glichen die Behörden den Namen mit vorhandenen Unterlagen ab. Dazu gehörten die Akten der Bundespolizei FBI und der für den Bundesdienst zuständigen Personalbehörde. Tauchten belastende Hinweise auf, konnte das FBI eine eingehende Untersuchung beginnen.
Ermittler sammelten Informationen über politische Verbindungen. Entscheidend wurde dabei eine Liste des Justizministers, auf der als kommunistisch oder staatsfeindlich eingestufte Organisationen standen. Eine Mitgliedschaft oder die Unterstützung einer solchen Gruppe konnte gegen einen Beschäftigten verwendet werden.
Damit bekamen frühere Aktivitäten eine neue Bedeutung. Wer während des Spanischen Bürgerkriegs Geld für die republikanische Seite gespendet hatte, konnte später wegen dieser Verbindung in Schwierigkeiten geraten.
Auch Verwechslungen kamen vor. Ermittlungen wurden eröffnet, weil Informationen über eine andere Person mit ähnlichem Namen in die Prüfung geraten waren. Ein solcher Fehler konnte eine ausführliche Untersuchung auslösen, bevor er überhaupt erkannt wurde.
Verteidigung gegen geheime Quellen
In den Behörden entschieden Loyalitätsausschüsse über die Fälle. Beschäftigte konnten angehört werden und einen Anwalt hinzuziehen. Gegen eine belastende Entscheidung waren Rechtsmittel innerhalb des Prüfverfahrens möglich.
Diese Möglichkeiten boten jedoch nur begrenzten Schutz. Das FBI hielt die Identität seiner Informanten geheim. Häufig kannten selbst die Ausschussmitglieder deren Namen und Hintergründe nicht. Sie sollten sich auf die Einschätzung des FBI verlassen, eine Quelle sei zuverlässig.
Für die Beschuldigten war das besonders schwerwiegend. Sie konnten kaum nachweisen, dass eine Aussage aus einem persönlichen Konflikt entstanden war oder auf einem Missverständnis beruhte. Dazu hätten sie wissen müssen, wer was über sie gesagt hatte.
Diese Gremien entschieden über den Arbeitsplatz. Schon ein Verdacht konnte damit die wirtschaftliche Existenz eines Menschen bedrohen, obwohl dessen berufliche Arbeit keinen Anlass zur Beanstandung gegeben hatte.
Dorothy Bailey verliert ihre Stelle
Bailey bestritt die Vorwürfe und legte in den Anhörungen mehr als siebzig schriftliche Erklärungen von Menschen vor, die für ihre Loyalität einstanden. Trotzdem entschied der Ausschuss gegen sie, und sie verlor ihre Stelle.
Auch im Berufungsverfahren erhielt sie keine genauen Angaben zu den angeblich illoyalen Handlungen. Wie bei anderen Betroffenen blieben die Quellen selbst für den Ausschuss undurchsichtig: Dessen Vorsitzender räumte ein, selbst kaum etwas über die Personen zu wissen, deren Aussagen sie belasteten.
Dennoch blieb es bei ihrer Entlassung. Ihre Gewerkschaft unterstützte den Rechtsstreit.
Baileys Anwälte brachten den Fall schließlich vor den Obersten Gerichtshof. Sie argumentierten, dass sie sich gegen anonyme Anschuldigungen nicht wirksam verteidigen könne.
Im April 1951 endete die Entscheidung mit vier gegen vier Stimmen. Mit dem Urteil der Vorinstanz blieb auch Baileys Entlassung bestehen.
Die Schwelle sinkt weiter
Das Programm beruhigte Trumans politische Gegner kaum. Konservative Kritiker verlangten strengere Prüfungen. Bürgerrechtler drängten dagegen auf bessere Möglichkeiten, sich gegen Anschuldigungen zu wehren.
Am 28. April 1951 verschärfte Truman die Regeln. Bisher sollten hinreichende Gründe für die Annahme vorliegen, dass ein Beschäftigter illoyal sei. Nun konnten bereits begründete Zweifel an seiner Loyalität zur Entlassung führen.
Der zentrale Berufungsausschuss ordnete daraufhin die erneute Prüfung von mehr als tausend Fällen an, die zuvor zugunsten der Beschäftigten entschieden worden waren.

Zum Weiterlesen
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Cohen, L. (2003): A Consumers’ Republic. The Politics of Mass Consumption in Postwar America.* Gesellschaftsgeschichte des amerikanischen Nachkriegswohlstands mit einer differenzierten Einordnung des GI Bill.
Patterson, J. T. (1996): Grand Expectations. The United States, 1945–1974.* Umfassende Darstellung der amerikanischen Nachkriegsgeschichte und ihrer gesellschaftlichen Veränderungen.
Bildnachweis
Titel: US Supreme Court, Wikimedia Commons, Marielam1. CC BY-SA 4.0.
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