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Gold statt Wechsel – Die Brügger Währungskrise von 1399

Im September 1399 liegt ein Wechselbrief auf dem Tisch eines Brügger Geldwechslers. Er weist eine Zahlung in London an und erspart seinem Besitzer den Transport schwerer Münzen über den Ärmelkanal. Solche Briefe halten den internationalen Handel in Bewegung.

Dann greift der Brügger Magistrat ein. Künftig müssen Wechsel in bar ausgezahlt werden. Innerhalb weniger Tage wird aus einer Vorschrift gegen den Geldmangel eine Währungskrise.

Handel mit einem Stück Pergament

Der Belfried mit der Tuchhalle (1284)

In Brügge treffen englische Wolle, flandrische Tuche und Waren aus dem Ostseeraum aufeinander. Die Kaufleute müssen Geschäfte in verschiedenen Münzen abrechnen und häufig Monate auf ihr Geld warten.

Der Wechselbrief verbindet Kredit und Währungstausch. Ein Händler zahlt etwa in Brügge Geld ein und erhält dafür die Zusage, dass ein Geschäftspartner später in London einen festgelegten Betrag auszahlt. Forderungen lassen sich zudem miteinander verrechnen. Dadurch müssen weniger Münzen über Straßen und Seewege transportiert werden.

Das spart Frachtkosten und senkt das Risiko eines Überfalls. Zugleich können Kaufleute mit Geld arbeiten, das sich gerade in einer anderen Stadt befindet. Damit ein Wechsel funktioniert, müssen die Beteiligten auf die Auszahlung am vereinbarten Ort vertrauen können.

Brügge verlangt Bargeld

Im Herbst 1399 herrscht in Flandern Mangel an Edelmetall. Der Brügger Magistrat vermutet, auswärtige Kaufleute hielten Münzen zurück. Im September untersagt er deshalb die bargeldlose Verrechnung von Wechselbriefen. Jeder Wechsel muss nun in bar beglichen werden, unabhängig davon, ob er in Brügge ausgestellt oder dort fällig wird.

Sofort benötigt jeder, der einen Wechsel bezahlen muss, Münzen. Händler beginnen, Bargeld zurückzuhalten, weil sie es bald selbst brauchen könnten. Damit verschärft sich genau der Mangel, den der Magistrat beheben wollte.

Über Nacht steigt in Brügge der Kurs des Écu, einer französischen Goldmünze, um sechs Prozent. Danach schwanken die Wechselkurse weiter; selbst Veränderungen um ein Prozent innerhalb eines Tages kommen vor. Wer über Bargeld verfügt, kann beim Kauf von Waren erhebliche Preisnachlässe verlangen. Mit jedem Kurssprung wird unklarer, was eine später fällige Zahlung am Ende tatsächlich kostet.

Italienische und katalanische Händler reagieren schnell. Sie schicken Geld gezielt dorthin, wo es knapp und deshalb besonders wertvoll ist. Einige verdienen bald mehr am Geldtausch als am Warenhandel.

Ein Brief nach Lübeck

Das Hansekontor in Brügge schreibt umgehend nach Lübeck. Viele seiner Mitglieder kaufen Waren auf Kredit oder nehmen Wechsel an, die erst später fällig werden. Nun müssen sie knappe Münzen beschaffen und dafür ungünstige Kurse hinnehmen. Jedes weitere Kreditgeschäft bindet sie für Wochen oder Monate an dieses Risiko.

Hanse-Kontor, Brügge

Auf dem Hansetag vom 10. Februar 1400 bezeichnen die Gesandten die Krise als Angelegenheit mit den „Lombarden“, wie italienische Händler und Bankiers häufig genannt werden. Sie halten die Sache für ein Problem weniger Kaufleute und vertagen die Entscheidung, damit die einzelnen Stadträte darüber beraten können.

Während die Briefe zwischen den Städten unterwegs sind, bleibt die Vorschrift in Kraft. Ab Mai 1400 erhöhen die Brügger Behörden schrittweise den Anteil der Summe, der in Goldmünzen zu zahlen ist. Vom Januar 1401 an sollen Wechsel vollständig in Gold beglichen werden. So wollen sie weiteres Edelmetall zur städtischen Münzstätte lenken. Bargeld wird dadurch noch begehrter.

Auch in den livländischen Städten verfolgt man die Lage in Brügge. Die Livländer betrachten Geschäfte auf Kredit schon länger mit Misstrauen, weil verspätete Zahlungen und fallende Preise hohe Verluste verursachen können. Ihr Vorschlag erreicht das Kontor: Die Hanse soll ihren Kaufleuten den Kredithandel in Flandern untersagen.

Am 3. November 1400 leitet das Kontor diesen Vorschlag an Lübeck weiter. Lübeck befragt daraufhin die preußischen Städte. Deren Antwort lässt auf sich warten. Im April 1401 mahnt der Lübecker Rat erneut und verweist nun auch auf eine Warnung des Nowgoroder Kontors: Je länger ein Kredit laufe, desto größer werde der mögliche Schaden.

Das Verbot kommt zu spät

Am 2. Juli 1401 fasst der Hansetag schließlich einen Beschluss. Drei Jahre lang sollen hansische Kaufleute in Flandern keine Waren auf Kredit handeln. Das Verbot soll am 29. September in Kraft treten.

Bis dahin hat der Brügger Magistrat bereits erkannt, welchen Schaden seine Vorschriften anrichten. Am 1. Oktober 1401 hebt er sie auf.

So tritt das hansische Kreditverbot genau zwei Tage vor dem Ende der Brügger Maßnahmen in Kraft. Es bleibt noch bis zum 14. Mai 1402 bestehen und wird dann vorzeitig aufgehoben.


Zum Weiterlesen

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Hammel-Kiesow, R. (2025): Die Hanse.*

Wubs-Mrozewicz, J.; Jenks, S. (Hrsg.) (2013): The Hanse in Medieval and Early Modern Europe.*

Bildnachweis

Titel: Ausschnitt aus einem Bild, das Brügge 1382 darstellt. Gemälde Slag op het Beverhoutsveld, 15. Jhdt.

Alle Bilder gemeinfrei.

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