„Had Enough?“ – „Schon genug?“ Mit dieser Frage warben die Republikaner 1946 um Stimmen. Die Antwort erlebten die Amerikaner im Alltag: Steigende Lebensmittelpreise belasteten die Haushalte. Streiks unterbrachen die Versorgung.
Am 5. November gewannen die Republikaner die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses. Im Senat standen nun 51 Republikaner 45 Demokraten gegenüber. Erstmals seit den frühen Dreißigerjahren kontrollierte die Partei wieder das gesamte Parlament. Präsident Harry S. Truman blieb im Weißen Haus, musste aber künftig mit einem Kongress regieren, dessen Führung seine Politik bekämpfte.
Im Schatten Roosevelts
Truman hatte das Präsidentenamt im April 1945 nach Franklin D. Roosevelts Tod übernommen. Für viele Amerikaner war Roosevelt der Mann, der das Land durch die Weltwirtschaftskrise geführt hatte. Seine Regierung hatte mit dem New Deal Arbeitsplätze geschaffen und die soziale Absicherung ausgebaut.
Der neue Präsident wollte daran anknüpfen. Im September 1945 forderte er unter anderem einen höheren Mindestlohn und mehr Geld für öffentlichen Wohnungsbau. Auch eine landesweite Krankenversicherung gehörte zu seinen Vorhaben.
Doch selbst die demokratischen Mehrheiten im Kongress garantierten ihm keine Unterstützung. Konservative Abgeordnete seiner eigenen Partei arbeiteten seit Jahren mit Republikanern zusammen. Viele kamen aus den Südstaaten. Sie lehnten stärkere Gewerkschaften ab und widersetzten sich bundesstaatlichen Eingriffen in die Rassentrennung.
Truman erbte deshalb neben Roosevelts Ansehen auch dessen festgefahrene Konflikte.
Der Streit erreicht die Ladentheke
Besonders gefährlich wurde für den Präsidenten die Frage der Preise. Während des Krieges hatte die Bundesbehörde Office of Price Administration Höchstpreise festgesetzt. Nach dem Sieg verlangten Unternehmen die Aufhebung dieser Beschränkungen.
Viele Verbraucher fürchteten dagegen, dass ihre Ersparnisse schnell an Wert verlieren würden. Jahrelang hatten sie auf Anschaffungen verzichtet. Nun wollten sie kaufen, während die Industrie ihre Produktion erst wieder auf zivile Waren umstellte.

Im Juni 1946 verabschiedete der Kongress ein Gesetz, das die Preisbehörde verlängern, ihre Befugnisse aber stark beschneiden sollte. Truman legte sein Veto ein. Damit liefen die bisherigen Kontrollen aus. Preise schossen nach oben.
Wenige Wochen später stimmte der Präsident einer geschwächten Fortsetzung der Behörde zu. Der Streit ging weiter. Viehzüchter hielten Tiere zurück, weil sie die vorgeschriebenen Fleischpreise ablehnten. Fleisch wurde knapp. Viele Käufer machten dafür die Regierung verantwortlich.
Mitte Oktober gab Truman nach und hob die Fleischpreiskontrollen auf. Für einen überzeugenden Kurs im Wahlkampf kam dieser Schritt zu spät.
Unzufriedenheit wird zur Wahlentscheidung
Auch die Arbeitskämpfe schadeten dem Präsidenten. Gewerkschaften verlangten höhere Löhne, nachdem die Beschäftigten während des Krieges Einschränkungen hingenommen hatten. Unternehmen wehrten sich. Truman versuchte, die Produktion aufrechtzuerhalten, und geriet dabei mit Gewerkschaftsführern aneinander.
Sein hartes Vorgehen gegen streikende Eisenbahner verärgerte einen Teil seiner bisherigen Unterstützer. Zugleich hielten Gegner der Gewerkschaften die Regierung weiterhin für zu nachgiebig.
Die republikanische Wahlkampffrage bündelte diese widersprüchlichen Beschwerden. Wer sich über teures Fleisch ärgerte, konnte ihr ebenso zustimmen wie jemand, der die Gewerkschaften für zu mächtig hielt. Die Demokraten wurden für die Schwierigkeiten des Übergangs zum Frieden verantwortlich gemacht.
Neue Mehrheiten, bekannte Gegner
Unter den republikanischen Wahlsiegern waren Männer, die später nationale Bekanntheit erlangten. Richard Nixon zog für Kalifornien ins Repräsentantenhaus ein. Joseph McCarthy gewann einen Senatssitz in Wisconsin.
Den politischen Kurs bestimmten zunächst erfahrenere Parteiführer. Besonders einflussreich war der Senator Robert Taft aus Ohio. Er wollte die Macht der Gewerkschaften begrenzen und den Einfluss der Bundesregierung auf die Wirtschaft zurückdrängen.
Dafür konnten die Republikaner weiterhin auf konservative Demokraten zählen. Die Wahl hatte eine Zusammenarbeit gestärkt, die schon unter Roosevelt Reformen gebremst hatte. Die Konfliktlinie verlief auch innerhalb der Demokratischen Partei.
Eine Mehrheit gegen das Veto

1947 zeigte sich die neue Machtverteilung besonders deutlich beim Taft-Hartley-Gesetz. Es schränkte den Spielraum der Gewerkschaften ein. Das Gesetz verbot Vereinbarungen, nach denen Betriebe nur bereits organisierte Gewerkschaftsmitglieder einstellen durften. Zudem konnte der Präsident bei Streiks, die die nationale Sicherheit oder Gesundheit gefährdeten, eine gerichtliche Zwangspause von bis zu 80 Tagen erwirken.
Das Gesetz ließ das Recht auf Tarifverhandlungen bestehen, verschob aber die Bedingungen zugunsten der Arbeitgeber. Truman widersetzte sich. Sein Veto brachte ihn wieder näher an Gewerkschaften, die er im Vorjahr gegen sich aufgebracht hatte.
Im Juni 1947 überstimmten beide Kammern das Veto mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit. Taft-Hartley wurde gegen den Willen des Präsidenten Gesetz.
Zum Weiterlesen
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Patterson, J. T. (1996): Grand Expectations. The United States, 1945–1974.* Grundlage dieser Folge, besonders das Kapitel über Trumans erste Amtszeit. Verbindet den Streit um Preiskontrollen mit der Wahlniederlage und den anschließenden Kämpfen im Kongress.
Cohen, L. (2003): A Consumers’ Republic. The Politics of Mass Consumption in Postwar America.* Ergänzend für den Streit um die Preiskontrollen und die Rolle der Verbraucher in der Nachkriegspolitik genutzt.
Bildnachweis
Titel: Truman beim Amtseidschwur, 1945.
Proteste: Wikimedia Commons, Crowd carrying placards and a banner reading, „Repeal Taft-Hartley Act,“ and „Fair Tax elect Stevenson.“. CC BY-SA 2.0.
Alle weiteren Bilder gemeinfrei.




